Die 3oppofet BJatöooet Herausgeber: £art Cange Berlag: <8 e o r g S f i I f e / Bertin 71 W 7 ^ccoußgcbcc Carl Catige / U erlag ooit ©eorg Sfilfe, Berlin JIW X Srucf: 58ud)= unb 23erlagsbruderei #ans ijeenemann, ^Berlin 2B. 3 n f) a t t (£arl ßange: „3ur Einführung"............................................6eite 5 kalter uon SDtoto: „Die fulturelle SÜlifjton ber 2Balboper in 3oppot"..........„ 8 ©enator Dr. ^ermann 6trunf: „93om SBert ber 2Balboper in 3oppot" ... „10 *ßrof. Dr. i)ans Inappertsbufcf): „Die 3°PP0ter 2Balbfpiele"..................„ 11 Slammerfänger 2Balbemar genfer „9Jteine 2tnficf)t über bas Naturtheater" . . „12 Dberfpielleiter Hermann S0ter3: „Naturbühne unb Plegie"....................„ 16 Dr. 2Batther Detter: „Nicfjarb 2Bagners Shtnftanfd)auung"....................„ 20 Dr. gritj 33ergemann: „Dan3ig unb 3°PP0t"................................„ 43 Sleußerungen ber teilne^menben Mnftler....................................„ 47 (Sertrub ©egersbacf) (©ieglinbe), ©taatsoper 2ßien............................„ 47 Slammerfängerin Margarete 2lrnbt=Dber ©ricfa, (£rba), ©faatsoper Berlin . . „48 ^ammerfängerin Melanie $urt (*8rünnf)ilbe), Berlin . . . . •................„ 48 Slamtnerfängerin grieba ßeiber (SSrünnhilbe), ©taatsoper Berlin..............„ 48 Otto Geigers (^unbing, gafner u. a.), ©taatsoper ^Berlin ...................„ 50 gri£ ©oot (©iegmunb), ©taatsoper ^Berlin..................................„ 50 ^ammerfänger Defiber $abor (Elberich), ©taatsoper ^Berlin..................„ 51 2Biü)elm 23uers (2Botan), ©taatsoper München, früher Hamburg............„51 Urteile über bie $oppoter 2BaIboper im 2lus3ug aus Rettungen unb 3eitfd)riften „ 52 3ut (Einführung Hon (£art £atige 'jTort befdjeibenen Anfängen ^at fich bie 3°PP°^r 2Balboper 3U einer fünftlerifd)en fyöfye entroicfelt, bie r>oHe Bemunberung oerbient. 23on Sahr 31t 3af)r ging es Stufe für Stufe oormärts, fo baft bie legten Aufführungen von 2Berfen 2Bagners bei ber Teilnahme l)exvox= ragenber Slünftler bas 9tioeau fennaeidjnen. (Begner mürben 3U aufrichtigen 23efennern. Unfer com SMtur= mittelpunft abgelegenes S^PPO* ^t fid) im ßaufe ber Sahre burd) bie 2Balboper eine befonbere Stellung gefd)af= fen, bie Sdjattenfeiten feines internationalen QSabelebens oergeffen läftt. Das ift im erhöhten Mafte ber $all, feit= bem Dan3ig 3um $reiftaat mürbe. (Es ift nid)t 3Ut)ieI gefagt, menn mir oon einer nationalen Xat fpredjen, bie aber gleichseitig fünftlerifcf) auf einer fo anfprechenben f)öhe ftef)t, bafc hißnn feine ^erabfefeung 3U fudjen ift. Die $oppoter 5ßaIboper ift ein *8emeis, baf* bie ÜKatur burd) nichts erfefet merben fann. Sie fchafft unoergleid)= lidje Silber unb Stimmungen. $n ben vergangenen Sahren finb bie Aufführungen nicht nur ben Xaufenben von 3ufchauern, fonbern auch allen Beteiligten, com ein= fachften Bühnenarbeiter an bis 3U ben erften ^ünftlern unb Dirigenten, ein tiefes (Erlebnis gemefen. So ift mir ber (Bebanfe gefommen, biefe Stimmen unb Urteile 3U fammeln, um im üuerfd)nitt aller Meinungen 3U 3eigen, mie hier ein jeber am Quell ber 5^atur neue $raft für fid) unb fein fünftlerifdjes 2Bir!en gefdjöpft f^t. Vichts ift oollfommen. Aber jeber ^jinmeis auf bas, mas fehlerhaft, oerbefferungsfähtg ift, fann in ber meiteren Aufmärtsent= micflung — unb bas ift letztes 3^1 — &em ©onsen bienen. Der ^ed bes Buches ift, ßiebe unb 33erftänbnis für bie $rage ber 2BaIboper 3U ermeden unb 3U feftigen, *Rid)t= linien für bie meitere (Entmidlung 3U meifen unb ben greunben bie liebgemorbene (Erinnerung 3U beleben, (Es fehlt unter ben Mitarbeitern faum einer ber bebeutenben $ünftler, bie mitmirften. 3d) fpredje aud) an biefer Stelle meinen beliehen Dan! aus für bie Bereitmilligfeit, mit 1 5 ber bie beteiligten meiner 2Iufforberung, it)r ©rlebnis 3U fchilbern, ^olge leifteten. Der 6tabt 3°PP°t Qcbii^rt bas 23erbienft, baft fie bie Oper ber Naturbühne augeführt ^at mit einer Dpferfreu--btgfeit, bie rücfhaltlofe 2Inerfennung erforbert. 23on Spielen unb heften im freien, com Naturtheater, ber grei= luftbühne, oon SCftgfterienfpielen, Nüpelfomöbien unb Sd)äferibr)tlen füt)rt ber 2öeg ^in sur 2BaIboper als (Ent= becfung fünftlerifchen Neulanbee. Die goppoter 2BaIb= oper ift berufen, mitten im internationalen Xreiben eine Slunft= unb SMturftätte 3U fchaffen, bie oon hohem 3Jlenfd>= heitemert ift, nid)t nur für bas abgetrennte (Bebiet, fonbern auch barüber hinaus eine 23olfsangelegenf)eit größten Ausmaßes 3U roerben oerjpricht. Vielleicht errrmchft ben Deutfdjen auf bem 2Bege, ben bie 3oppoter 2Balboper mit iljren oorbilblidjen Aufführungen gemiefen h^t, jenes Nationaltheater, bas unter ber unenblichen ©röfee bes befternten i)immelsbomes jebes foftfpieligen unb il!ufions= hinbernbert fteinernen Xheaterpalaftes für bie Vielen ent= raten !ann unb bem einfachften unb unbemittelten beutftfjen Volfsgenoffen jene im (Soethefchen 6inne „moralifche 2lnftalt" öffnet, bie ber frühen Antife ein felbftoerftänb= lidjer Nationalbefitj mar. «SB» 6 Soppoter 2BoIboper 1909: 9iacfyt[ager in ©ranaba, üoix ^onrabin ^reu^ßr Die fulturefte 2Ttiffion öer UMboper in 3oppo* I*on IDalter uon ZTtolo enn id) bes 5ßeges oon Dlioa nad) 3oppot gebenfe urtb ber S^ppoter fianbfdjaft, fo brängt ftcf) mir bas ©efül)l auf, baf; es ibealeres (Selänbe für bie 2luffüfyrung einer 2ßaIboper in beutfcfyen ßanben nid)t gibt. 3°PP°^S *8abebetrieb ift gemift eine mistige (Einnahmequelle für bie 3°PP°^r, aber mit bem ©elboerbienen ift \d)lk$ü&} nid)t alles erreicht, toas ber 9Jtenfd) braucht, mas ber fdjmer bebrängte Staat Dansig brauet. Kultur unb (Seift allein fönnen retten. Sie Qoppoter 2ßalboper bient bem (Seifte unb ift bamit meit l)inaus über if)re rein fünftlerifrfje 3Se= beutung ^ulturmiffion. (Es tut gut, immer mieber ben trägen fersen 3U 3eigen, baft bie 3lunft bie einsige toaljre güfyrerin ift über alle Drangfale t)inmeg, baft ber Slünftler fein £)arlefin 3ur 33erbauung ift, baft er ber bemüht lebenbe unb 3um $ül)rer beftimmte *XKenfcl) ift, bem jeber 3U folgen fjat, fo er auf bem Xotenbett bereinft nid)t ernennen tüill, baf3 er [ein ßeben oerfel)lt fyat. (Etfennen toirb es jeber einmal, ber bas *Recl)t bes ©eiftes leugnet, unb bamit fiel) unb anbere unglücflid) macl)t. Das ift fo im ßeben bes einseinen 3Jlenfcl)en, im Staatsleben unb im Qufammen^ leben, im Slonfurrensfampf ber oerfdjiebenen Staaten. Der (Beift fyat 3U führen, unb er füljrt aud). Dies immer toieber erfennen 3U laffen, ift unfere ^3flid)t, nur fo bienen mir ber 9Jtiffion (Bottes, bie uns in biefes ßeben gefegt f)at, um es glücflid) unb coli 3U leben. 3n biefem Sinne möge bie Qoppoter Sßalboper meiter arbeiten unb ba3u Reifen, baft bie Seele enblid) 3ur £)errfcl)aft fommh 8 <5$ene aus „Xannf)äufer" (©cfjluftatt) 1910 #om Bert öcr Xtfalöoper in 3oppot Don Senator Dr. ^ermann Strun?: enn ber 6ommer naht unb bas ßeben in Dan3ig unb Soppot ßu oollem (Benuft oerfd)önt, fernen fid) von 3af)r 3U 3ahr bie funftliebenben greiftaatberoohner ba= nad), baft ihnen auger bert greuben ber Statur aud) ber (Benuf} toerben möchte, an ber sißaIboper in Qoppot teil3u= nehmen, üftit Spannung oerfolgen fie bte erften 9ttits teilungen über bie 2Bahl ber Oper, über bie Vefefeung ber Hauptrollen unb ber mufifalifd)en ßeitung unb über bie $Iäne unb Arbeiten ber Vühnenregie, mit (Eifer unterrichten fie fid) in immer 3unehmenber (Erwartung unb in hoffnungsfroher 93orfreube über bie Vorbereitungen bes Wertes, bie ihnen burd) Schrift unb 2Bort befannt toerben. (Enblid) fommt ber erfehnte grofte Xag, an bem bie greunbe ber Söalboper fid) an einem frönen Sommer= abenb auf ben 2ßeg begeben, um fid) unter fternflarem Himmel unb im Sd)u£e ber l)o\)en Sßalbbäume bem Sauber bes $unfttoer!es hingeben. 2Ber einmal auf ben 2BaIbt)öf)en ftanb unb ben feierlichen 3U9 &er errrmr* tungsfreubigen ^ilger fdjaute, ber fann fid) lange nid)t r>on bem tiefen (Einbrud freimachen, ben l)o\)e Shtnft fd)on in ber Vorahnung au$3uüben oermag. 3n 2luge unb 2Int= life Hunberter, ja Xaufenber ftrahlt bas (Blücf, einer fünft= lerifchen Sreube bie Seele öffnen 3u bürfen, fpiegelt fid) ber 2öille, fid) in (Ehrfurcht unb 2lnbad)t an reiner Shmft 3U erbauen. Unb toenn es toahr ift, baft bie 2BaIboper meift oon gutem 2ßetter begünftigt toar, fo toirb mir ber (Blaube leicht, bog eine gütige 23orfehung in toohltätigem ^Balten bie Gräfte ber D^atur lenft. — Das 5ßerf bes beutfehen Dtteifters ift oerflungen, unb bie 3um (Böttlid)en erhobene (Seele muft es leiben, allsu jäh in lärmenbe Haft geriffen 3U toerben. 2lber toerm fid) bann im fyxm bem ©infamen bie klugen fchliefcen, bann fteht bas eble Vilbnis oor ihm. Unb Xag um Xag ftärft fid) noch für lange bie an bem tiefen (Erleben ber Oper im ^oppoter 2Balbe, bis bie Xöne im Alltage bes ßebens allmählich abflingen. 2lber bie (Erinnerung bleibt. 2£as oergangen, fehrt nid)t toieber, aber ging es leud)tenb nieber, leud)tet's lange noch 3urücf. 10 Die 3oppofer UMbfpielß Don prof. Dr. £) a n s &napperfsbufcf), Baperifrfjer (Beneralmufifbireffor orbem mar id) ein großer ©feptifer allen Naturbühnen gegenüber, ©oethe fyat bas einfdjlägige Problem angeklungen, menn er bas „römifdje ^erfommen", grauen= rollen oon Scannern fpielen 3U laffen, gar nid)t fo übel fanb, tüeil es bas Vergnügen gemährt, „nicht bie 6ad)e felbft, fonbern ihre Nachahmung 3U fehen, nicht burd) Natur, fonbern burd) Slunft unterhalten 3U merben". 60 tarn td) benn als richtiger 6aulus nad) Soppot, um es als — Paulus 3u oerlaffen. 3d) habe oon ben Aufführungen in ben monbbegIän3ten Nächten mit ihrer 3mingenben poetifdjen Straft fo ftimmungsftarfe (Einbrüde empfangen, mie faum je in einem Shmfttempel, unb mit feltener (£in= bringlid)!eit empfunben, baß bie Natur lad)enb ben 2Bed)feI ber 9ttoben unb 6tilrid)tungen überlebt. Der 3ufammen= flang ber gemaltigen 6d)Öpfungen 2Bagner's mit ber (Er= habenheit unb ßieblid)feit ber Natur führte 3mingenb 3U Anbadjt unb Sammlung unb vermittelte bas (Befühl feier^ lichfter ©ehobenheit. Da bie Natur auch &as ©eheimnis ber Afuftif mühelos löft, blieb faum ein 2Bunfd) an bie Oüte ber Aufführungen offen. 2ßenn im 6iegfrieb bas 3ßalbmeben im Drdjefter aufblühte unb fid) 3U ben ©timmen ber Snftrumente ber (Befang ber burd) bas ßid)t ber im £)intergrunb aufgehellten riefigen 6d)iffsfd)einmerfer aus bem 6d)lafe gemedten 23ogeImelt gefeilte, J)atte bies eine fo 3arte unb rührenbe Sßirfung, baß uns ^ünftlern bas SSaffer in bie Augen fd)oß. Alle *8eifpiele unvergeßlicher (Erlebniffe nennen hieße bie ©3enen ber aufgeführten 2ßer!e auf3ählen. Sd) bin fidjer, baß biefe munberoollen Abenbe nid)t nur mir unb ber prächtigen $ünftlerfd)ar, fonbern auch jebem einseinen ber Xaufenbe oon ^Befudjern ein-brudsreiche (Erinnerungen fürs gan3e ßeben bleiben merben. 11 JTteitie 2(nficf)t über öas Dtafurtfjeafer as £f)eater t)at von jeher auf bie 9[ften[d)en eine magifche 2ln3iehungslraft ausgeübt. Sßortn aber liegt biefe Qauberfraft unb tou^elt biefe gewaltige 90tad)t? Mancher t)at fid) oiel!eid)t biefe 5röge geftellt, ohne eine richtige ©rflärung gefunben 3U haben. Die 5Introort ift aber fefyr einfad): bas Xtyeatex gehört ju ben 3eitlid) allererften ajlgfterien ber 9Jtenfc$)eit unb birgt in fid) ben ftärfften Qauber. 3n uralter 3eit haben bie ©riechen fid) als ©ötter unb Dämonen nerfleibet unb ba 001130g fid) biefer Qauber, ber DJlenfd) toollte 3um erftenmal ein anberer fein, als er mar, alfo eine 2(rt Xransfubftantation oertoirflid)en. Diefe 3aubert)afte 23ertoanblung eines 9ttenfd)en in einen anberen bilbete ben Anfang bes Xf)eaters. Aus biefen gan3 primi= tioen UJtgfterien entroidelten fid) bie bqonififdjen SCftgfterien bes Altertums unb baraus entftanb fpäter bas gried)ifd)e Xtjeater, bas ein genaues 23orbilb unferer mobernen Bühne mar. 2Bo fpielten fid) bie allererften Xl)eater=3Jlqfterien ab? Damals gab es natürlid) feine fünftlidje Bühne, ber 2ßalb biente als foldje; bie Bäume unb Reifen finb alfo bie U r b ii f) n e bes Xl)eaters. Die ßoppoter 2Balbbühne führt uns alfo 3um Ur= theater ber 50^enfd)l)eit 3urüd, too bie D^atur als Dekoration biente. Die 2BaIbbüt}ne t>at alfo eine tiefe innere fünft= lerifd)e Berechtigung, ba fie uns oom fünftlid)en Xl)eater= tanb befreit unb 3ur gewaltigen unb magren Naturbühne 3urü(ffül)rt. 6ie eignet fid) befonbers für Aufführungen ber 2ßerfe 2Bagners. ^idjarb 2ßagner, biefes fosmogo= nifdje ©enie, hat in feinen Sßerfen eine 2ßelt oertont, richtiger gefagt, bie 2öelt oertont. 3n biefer 5BeIt fpielt bie Statur mit ihren geheimnisoollen Gräften eine über= ragenbe DfoUe. Siein Xonbidjter hat bie Natur in fo ooll= fommener 2ßeife oerherrlicht unb mufifalifd) überroältigenb ausgebrüdt, toie eben 2ßagner. Die Natur ift ber f)inter= grunb für ben „!Ring", in bem bie Naturfräfte lebenbig getoorben finb. Die beutfd)e 6age, ber beutfdje (Beift ift hier 3ur Offenbarung burd) fünftlerifdje 3au^er^raf^ 9e= roorben. Darum erhalten bie 2Bagnertoerfe in ber 3°P= 12 ^oppoter SBalöoper 1910: 3)as golbene Kreits, t>on 23rüll poter 2Balbbiif)rie ben richtigen unb ihnen gebührenben Gahmen. 2Iud) ber „greifchütj", biefes @ebid)t oon beut= fdjer 3au^e^^raft bas in feiner (Sefd)Ioffenheit fämtliche Sleime bes allumfaffenben SBerfee *Kid)arb 2öagnere ent= hält, ift für bie 5BaIbbüf)ne gefchaffen. 2Bo fann man fid) ber 3au^ermacQt biefer DJluftf beffer Eingeben, als mitten im 2öalbe, ber 2ßeber bie Snfpiration 3U feinem unfterb= liehen 2Berfe gegeben fyat. Diefe (Bebanfen finb burd) meine perforieren (£in= brüefe befräftigt, als id) in ber $oppoter 2ßaIboper ben „9ttime" in „Siegfrieb" im Sommer 1921 fang. 9tie tyabe ich fofcfje ftimmungsootle Siegfriebaufführung erlebt, mie bamals. Der 2Balb, bie herrliche abenbliche Sommerluft, bie Dämmerung — bas anbädjtig laufcfyenbe *ßublifum — fdjufen eine fünftlerifche Stimmung, bie auf einer gemöf)n= liefen *8ühne mit ihren Shtliffen aus $appe unerreichbar ift. 60 erhob fid) bie Aufführung 3U einem magren $eft= fpiel inmitten ber göttlichen ^atur. 3n ber 3°PP0*er 2BaIboper t>oll3ieI)t fid) am mirffamften bas Urmqfterium bes Sweaters: bie 93üf)ne roirb 3ur 2BirfIid)feit, bas Spiel 3um ßeben! ^ammerfänger 2ö a l b e m a r 5) e n f e (5CRime) Staatsoper Berlin =SB= 14 Qfttne aus „&obetan3" 1911 Dtafurbüfjne unb Plegie "Bon ^ermann Uten, fünftlerifcfyer Cciter ber 3°PPofer IBalboper Qtbt neben ber Maleret feine Slunft, bie fo tief in ber üftatur trm^elt, mie bie bramatifdje 5htnft. 211s fie aufhörte in ben frühen ÜDtyfterienfpielen, bie $ird)e als 6d)auplafe ifyrer Betätigung su fet)en, trat fie f)inaus in bas ßeben. Die (Engel unb bie Xeufel ber £egenben oermanbelten fid) in 9ttenfd)en. Die ®efd)id)te ber 9[Renfd)l)eit fpiegelt fid) im Drama unb in ben Dramen aller Qeiten, öenn bas 2lllgemein=9ttenfd)lid;e bleibt fid) immer gleid). 60 entrollt fid), bliden mir auf bie ®es fd)id)te bes Dramas, ein unerfdjöpflidjer Qug menfd)Iid)er £eibenfcfyaft unb menfd)üd)en 6d)idfals, bie burd) ben Qauberftab ber Dichtung ber 9Jlenfd)l)eit gum emigen (Be= bäd)tnis aufbemaljrt finb, unb mieberum ben barftellenben Slünftlern (Belegentjeit geben, fo oft fie mollen, biefe 30lenfd)en unb if)re Oefdjicfe aus ber 9lad)t ber 23ergeffen= 1)eit su ermeefen, mit ifyrem eigenen Blute 3U füllen unb il)nen fo burd) immer meitere Generationen llnfterbltdjfeit 3U verleiben. 6tet)t fo alle bramatifd)e $unft auf bem Boben ber 2Birflid)feit, unb felbft unfere e£preffioniftifd)e Seit ^ann um biefe Xatfadje nid)t gan3 t)erum, fo ift bagegen bie u f i f eine Shmft bes 2lusbruds, bie fid) oon ber 2Birf= Iid)feit gar nid)t, ober bod) nur in fefunbärer 2Beife beein= fluffen läfät. 3n ber SQhtfif fprid)t nur bas 6eelifd)e, bie Harmonie bes Snnengefdjauten =gefiit)Iten. Ellies Durd)= lebte, 2(uftüüf)[enbe, 3^rte, i}inftrömenbe eröffnet fid) in ber 9Jtad)t ber Xöne, losgelöft oon aller ©rbfebmere, unb alle 6d)idfalsgetöalten äußern fid), mo es fid) um bas (Senie l)anbelt (Beetf)ooen, 5ßagner), toie ber Sllusflufc einer magifd)en unb unbefieglic^en Slraft, bie feine ^ompofition im engen 6inne mef)r ift, fonbern eine Offenbarung. 3n ber Oper nun mollen fid) biefe beiben, iljrem 2ßefen nad) oerfd)iebenen unb bod) tief innerlid) oermanbten fünfte — Drama unb SCTluftf — ^u einem (Bansen oer= binben, bie barftellerifdje Slraft ber 2Birflid)feit, bes 6d)id= fals, ber Ummelt — mit bem metapfifd)en Solang. 16 2ßirb nun eine Oper, bie aus biefer ^ettjeit beftefyt, auf bie N a t u r b ü f) n e gebracht, fo entfielt feinesmegs, mie bas 3utüeilen angenommen mirb, eine 3erfcÖmet^erun9 ber Slunft burd) bie Statur, ein gerreifcen bes Xons burd) bie aufbringlidje 3BirfIid)feit. Vielmehr füllen mir burd) bas metaphqfifd)e 2Befen ber DJlufif, mieoiel überfinnlidje $raft gerabe aud) in ber reinen Natur befd)Ioffen liegt, unb baft unfere 3ugel)örigfeit 3ur Natur uns mit ebenbenfelben geheimnisoollen (Bezaubern füllen fann, mie f)öd)fte (3e= ftaltungsfraft ber Slunft, ber ÜUtufif. Daraus müffen mir fdjlieften, bafc ein oiel tieferer mr)ftifd)er 3ufarnmen^)an9 5mifd)en $unft unb Natur beftef)t, als mir gemeinhin an= nehmen, unb baf3 Shmft unb Natur feinesmegs geinbe ftnb, ober bod) nur bann, menn eine unfunbige #anb bie (Brem 3en 3mifd)en beiben unerfreulid) aufbeeft, anftatt fie 3U oer= binben. 3ft aber reftfos erreicht, baft bie innigften 3üge beiber ineinanber übergeben, bann ift in bem (Sangen ein ^unftmerf gefdjaffen oon tiefem Stimmungsgehalt, einer deinen unb jugleid) mächtigen (Einbringlichfeit. ©anj falfd) märe es, mollte man ben platten Natura= ftsmus als eine notmenbige ^olge ber Darbietung einer ^per auf ber Naturbühne anfefjen, infolge Ehlens einer ^malten, alfo miltfürlid) gefdjaffenen, in einem beftimm= Stil gemotlten llmmelt, bie mir „Deflorationen" nennen. (Serabe biefes Aufragen bes ed)ten 2ßalbes ift es, bas im Jaunen ber Nad)t ben unoergleid)lid)en 3au^er bilbet, ber als llntergrunb für bie @efd)ehniffe ibealer unb aller niebergietjenben Nealiftif entfleibeter ift, als je eine tünftlerifd)e Deforation imftanbe fein fann. $ommt nun bie fünftlerifdje Beleuchtung f)in3U, mie mir fie in ber 3°PS poter 2ßalbbüf)ne befi^en, mit gemaltigen (Bdjeinmerfern, bie auf jeben 2ßinf bes Negiffeurs ein SCReer oon ßid)t fpenben, unb bie 90töglid)feit geben, jeber Stimmung, jeber (Sfftafe, mie fie aus ber SCftufif geboren ift, 2lusbrucf 3U oerleihen, fo erleben mir bas ©insmerben oon Slunft unb Statur. Die Deutung bes Dramas unb ber SUUtfif, bie Sgmbolif, ber (Einflang mit bem Unbegreiflichen, Unaus= fprechlidjen unb bas ÜRitge^en in alle Nätfel fann in ben bunfeln 2ßipfeln, ben fd)mar3en Schatten ber Natur einen Diel tieferen (Erflärer finben unb eine oiel fyöfyere bilb= nerifdje Slraft. Somit ift bie mid)tigfte unb erf)abenfte Aufgabe für bie IRegie bes Naturtheaters, bie 93erbinbung oon Natur unb Shmft, oon Na um unb Solang, oon 2ßahrheit unb Naufd) 3U fudjen unb 3U finben. #ugo oon 5)ofmannsthat, ber mit Nicfyarb Strauß 33erbünbete, gibt in feiner „(Eleftra" folgenbe $üf)nen= anmerfung: 17 „2lus bem i)aufe tritt (Eleftra. Sie ift allein mit ben Rieden roten ßid)tes, bie aus ben feigen bes feigem baumes fdjräg über ben SSoben unb auf bie DJlauer fallen — mie *8lutflede." — 3)ier ift beutlicf) geseigt, meldje ^Bebeutung ber Dichter bem 23ül)nenbilbe beimißt. (Es lebt ein eigenes ßeben unb bod) mieber gan$ nur bas ßeben ber ^Perfonen, bie in ifym atmen, leiben unb fterben. 3n öer 2lnmerhtng i)of= mannstljals ift ber 93aum, ber 23oben unb bie Ottauer mit ben gefpenftigen roten ßid)tfleden, bie mie 33lut fcfyeinen, in bem Moment faft fo mid)tig, mie (Eleftra felbft, benn fie malen bas (Brauen bes 2lugenblids. 60 gemift niemals bie Hnorbnungen bes Degiffeurs bie (Beftalten bes Dramas erbrücfen bürfen unb fie, be= fonbers bei ber 2Balbbül)ne aufmerffam bie (Bröfce ber Statur im 23erf}ältnis 3um 2ßer! unb 3um Darfteller ab= mögen müffen, fo foll bod) bie ben fjanbelnben 9Jlenfd)en umgebenbe 5BeIt, ebenfo mie feine (Bemanbung, mie ein Xeil t)on il)m unb feinem Sdjidfal mitfdjmingen unb ein 5tusbru(f bes bid)terifcf)en mie bes mufüalifdjen (Bebanfens fein, ja, fie ift im tiefften 2Befensgrunbe untrennbar oon ben über bie ^Bül)ne fcf)reitenben (Beftalten unb oon bem 9tf)9tf)mus ber 9Sftufif. (Broft unb paftos müffen aucf) bie ^Bewegungen ber 9ttenfd)en auf ber D^aturbüfjne fein. Der SSerfe^r mit ber 9tatur bebingt unb 3eitigt ein fjortlaffen alles kleinen. 3m Sänger üoll3iel)t fiel) faft unbemugt eine 5öanblung, menn er in s£erüf)rung fommt mit ben meefenben unb reinigenben Gräften ber 9tatur. Des *Regif= feurs oornefymfte ^3flid)t ift besl)alb aud) bem Darfteller gegenüber jenen (Bebanfen bes „Xf)eaterfpielens" in bem ^Bemufjtfein bes ^ünftlers 3U löfdjen unb ben ^Begriff eine „*Rolle" oerförpern 3U follen, um3urr)anbeln in bas (£r= füllt- unb ^Befeffenfein con ÜJftenfdjen, bie unter ber 2111= mad)t ber Statur bie (ErfFütterungen il)res Sdjidfals burd)= leben. So ift bie -ftaturbüfyne eine (Ermecferin unb eine i)eimat fünftlerifdjer (Erneuerungen, bie, menn fie nad) fursem Sommerglücf il)re jünger mieber 3urücffd)icft in bie rauchigen Stäbte unb in bie ÜUtottemüelt ber ftaubigen (Broftftabttfyeater, nadjmirfenb nod) einen (Einfluß übt, oon bem fruchtbare Gräfte ausgeben unb in bie Qufunft beuten. 18 ©ene aus „Die tierfaufte 33raut" 1912 2licf)arb Bagtiets üunffanfcfjauung 3ugteid) ein Beitrag 3ur $rage bes DTaturffjeafers tfoti Dr. ZÖaltfjer Detter I. er (Seift unferer eine tounberlid)e 9[Rifd)ung von Uebergang unb Verfall, ift bem 5ßer!e ?Kid)arb 2Bagners unb ber in biefem Sßerfe fid) funbgebenben Shmftanfd)auung menig günftig. 9ttafchinelle, inbuftrielle unb gefdjäftlidje Xenbensen, oereint mit bem Drang nad) *8luff unb (Benfation, brol)en enttoeber ernftere Shmft= beftrebungen molodjgleid) aufzufangen ober aber bie fid) burd)fet$enbe Slunft ber 3e^9enoffen rid)tunggebenb 3U beeinfluffen. Das $ino l)errfd)t, unb manchem $ort= fdjrittspfyilifter unferer Xage, ber bem bequemen (Benuft ber ^inonibelungen fröt>nt, fdjeint bas umftänblidje 2Bagnerfd)e ©efamtfunftruer! unmobern, überaltert unb gana unb gar nid)t mefyr am ^lafee gu fein. 93ielleid)t, fo benft mandjer jünger unferer fdjnellebigen (Epodje, ift aus SBagners berühmtem „Shmftoerf ber gufunft" nur 3U balb ein Shtnfttoerf ber Vergangenheit getoorben — oergeffen, abgetan, erlebigt. Die 2öagnedämpfe, bie einft Sßefteuropa auf's leb= l)aftefte betoegten unb erfd)ütterten, finb oorbei. 6d)on oor bem 2Beltfrieg roaren fie oerebbt. Der &rieg l)at jebod) bie enbgültige (Srensfdjeibe gesogen. Dag eine neue Seit hereinbrach, bamit müffen roir uns abfinben; bamit muft fid) and) 2ßagners Shmftroerf abfinben. Xragifd) freilid) trifft ficb's, baf3 bas allen (Einfidjtigen oorliegenbe (Ergebnis jener kämpfe 9tid)arb 2öagners fünftlerifdje' ®efamt= erfdjeinung in mancher 23e3iel)ung in ein gan3 anberes ßid)t rüdt, als in tt)eld)em ber SSJleifter fid) felbft faf). Diefer Vorgang ift an ficf) natiirlid) unb trifft nid)t etroa nur auf 2Bagner 3U; er ift oielmel)r gegenüber ben meiften geiftigen (Erfd)einungen nad) Ablauf eines getoiffen raums feftftellbar. 5Sei 2ßagner beruht bie befonbere Xragif jebod) barin, baft jener Vorgang ans ÜUlarf, an ben $ern feines 2ßefens rüf)rt. 2Bagner füllte fid) als 23e= ginner, fein 3ßer! als ©runb= unb SQtarfftein einer neuen 3eit, unb b a f ü r lebte, fämpfte unb litt er. Die ein= 20 Sebermann 1913 gefleifd)ten 2öagnerianer einer nod) nid)t gar fo toeit hinter uns liegenben Qeit beftärftert Sßagner b3to. feinen in 2Baf)nfrieb oerförperten unb atlmäfylid) oerfnödjernben (Beift in biefer — fyeute als irrig ertoiefenen — lieber* geugung, inbem fie fid) in einer oöllig unbegrünbeten Ueberängftlid)feit gegen eine rein gefd)id)tlid)e Betrachtung unb ©rgrünbung ber Sßagnerfdjen $erfönlid)!eit mehrten unb in einer all^u fleinlidjen Pietät alle biejenigen Dofumente bis in unfere Xage hinein unter €>d)loß unb Siegel gelten, beren Veröffentlichung bas Vilb ber fünftlerifd)en unb — menfd)lid)en *ßerfönlid)feit 2Bagners nad) ihrer Meinung trüben tonnte. Das !Rab ber (Sefd)id)te rollt jebocf) unge= achtet foldjer $leinlid)feiten unb ^leinigfeiten. (£s rollte fo lange unb fo toeit, bis mir benjenigen 5Ibftanb oon SBagners Slunft Ratten, baß mir fie 3U überblicken oer* mochten, unb biefer benfmürbige 2lugenblid — bas oer= ftärft jene Xragif, oon ber id) fprad) — mußte juft in unfere tounberliche Verfalls* unb llebergangsgeit fallen. Der Verfud) jener Sßagnerianer, bas 2öerf oon Vag* reutt) gleichfam als eine unerhörte, fcfyier tounberbare Ve= Siefjungslofigfeit in bas neungefynte Sahrhunbert hinein* 3upflan3en, ift enbgültig gefcheitert. Sßagners erfter burd)= fd)lagenber Dpernerfolg, „*Rien3i", ift allju beutlich mit ber Eunft ber ©pontini, SlRegerbeer, i)aleog, ", „Das 2ßiener i)ofoperntheater" unb bie o ergebenen Heineren 2luffät}e 3ur Vagreuther. grage 3U nennen finb, finb alles anbere als leicht faßbare, unmiftoerftänblidje Vefunbungen ein für allemal feftftehen= ber äfthetifdjer 2lnfd)auungen. 6ie mimmeln t)ielmehr öon fd)mer oerftänblichen 6d)mülftigfeiten, hiftorifchen Un= ricf)tigfeiten unb logifdjen 2Biberfprüd)en. 2ßer ihnen fritiflos folgt, gerät in ©efahr, ein fchiefes 3SiIb oon SBagners $unftanfd)auung 3U befommen; mer it)re (Be= banfengänge in überheblicher Slritif 3ured)tftu^t ober gar umbiegt, mirb ihrem 23erfaffer erft red)t nicht gerecht. S)eute, nad) trielen 3ahr3ehnten, mährenb meld)er gerabe bie mufifgefd)icl)tlicf)e gorfdjung einen ftarfen 2luffchmung nahm, einem 2öagner gefd)id)tliche Irrtümer nachrechnen, ift all3u billig; aus feinen Irrtümern aber pofitioen (Seminn unb flare (Erfenntnis feiner fünftlerifchen ^frjdjologie fdjöpfen, ift ebenfo fchmierig mie notmenbig. Solche (Er= fenntnis !ann nur bemjenigen aufbämmern, ber bie ge= fammelten Schriften unb Dichtungen, bie — leiber infolge ber oben fur3 gefenn3eid)neten 2Bahnfriebmethoben unooll= ftönbige — Selbftbiographie „Mein ßeben" unb oiele 2Bagnerbriefe, namentlich bie an &if3t gerichteten, unter ber 23orausfe^ung burchlieft, baft fein ^ßt)iIoIoge, auch tein ^unftgelehrter unb fein fie fchrieb, fonbern ber $ ü n ft l e r *Rid)arb 2Bagner, fpe3iell ber um feine geiftige ©jiften3 ringenbe Mufifer. ©an3 oermicfelt mirb jenes Problem nun aber erft, fomeit es Biebrich Dlie^fche als Slronseugen 2öagner[d)er ^unftanfchauung angeht. Das Verhältnis 3mifd)en 2ßagner unb -Wiebche ift oielfad) behanbelt morben, aber in ben meiften gälten mürbe es einfeitig beleuchtet, ©ntmeber fchrieb ber Mufifer barüber, ber fid) in ber D^egel auf bie Seite 3Bagners fd)lug, ober ber pfqchologifd) (Eingeteilte, ber es mehr ober meniger mit ^iefefche h^lt- Unb bie populäre Meinung mar am eheften mit bem gansen gragenfomplej fertig: fie hält bafür, baf3 ber junge, in ber Vollfraft feines Schaffens ftehenbe •ftietjfche ein begeifterter Anhänger unb Verfechter ber 5öagnerfd)en unftanfchauung mar, mäh5 renb ber alternbe, balb barauf ber geiftigen Umnachtung 26 „Siegfrteb" 1922 ©iegfrteb: t$frife 23o0elftrom=!Drcsbcn; ÜDtime: SBoIbemar #enfe=58erltn — Äünftl. ßeitung: Hermann 9Jter3=!Dan3iß 27 oerfallenbe *ßl)ilofopl) 3um gel)äffigen (Begner $at)reutf)s mürbe; bie oberfIäd)Iid)fte unb fyämifd)fte 2lbart biefer populären 9Jleinung fonftruiert gar einen urfäcfylicfyen fammenfyang 3mifd)en 2Bagnerl)af3 unb geiftiger Umnad)= tung. (Ban3 fo einfad) liegen bie Dinge nun aber bod) nid)t: alle brei Meinungen, bie einfeitig mufifalifd)e, bie ein[eitig pft)d)ologifd)e unb bie populäre, gef)en in bie Srre. Die richtige ßnnftellung 3um gall ^ie^fdje^agner ift aller= bings nicfyt mit ein paar 6ä^en 3U befinieren. 3m legten gebruarfyeft ber 9ttonatsfd)rift „Die SORufif" gel;e id) in einem 2trtifel über üftietjfdjes mufifalifdje (Seiftesrid)tung näl)er, menn aud) feinesmegs erfdjöpfenb auf bie ^ft}d)o= logie oon üftie^fdjes 23erl)ältniö 3U 2öagner ein unb nutfs auf meine bortigen Darlegungen oermeifen. 9iur fo oiel fei fyier angebeutet, baft ^iefefdje mie 3U feiner 3e^ nur gan3 menige bas l)oI)e (Benie 9ttd)arb 2Bagners in feiner gansen (Eigentümlidjteit burd)fd)aute, baft er 3ugleid) aber aud) — unb bas bebeutet einen für bie bamalige geit fefyr befonberen galt — oonoornt)ereinbie (Breden unb gel)lerquellen ber fünftlerifdjen $erfönlid)feit Sßagners er-fannte. (Ban3 befonbers oerbient fyeroorgefyoben 3U merben (mofür id) ben 23emeis an biefer Stelle allerbings leiber fdjulbig bleiben mu^), baft aud) ber entf)ufiasmierte 2Bagnerjünger ^ie^fcfye fdjon jene (Breden unb gel)ler= quellen bemerfte unb aud) ber erbitterte 2ßagnert)affer ber fpäteren bie klugen cor ber (Bröfte unb £)ol)eit bes 2ßagnerfd)en (Benius feinesmegs oerfdjloft. 2lus biefent (Brunbe barf uns $rtebrid) -ftiefcfye als einer ber oor= nef)mften unb glaubmürbigften ^ronseugert 9ßagnerfd)er itnftanfdjauung gelten. II. 60 mie 9id)arb 2Bagners fünftlerifcfjes ßebensraerf innerhalb eines falben 3afyrl)unberts gemorben ift, mu^ es als $rud)t feiner $unftanfd)auung b3m. bes burd) biefe &unftan{d)auung genährten ^unftmillens gelten; b e s« l) a l b gel)t uns heutige, bie mir jenes 2öerf aufführen ober im tünftlerifdjen ©ernenn aufnehmen mollen, biefe Slunftanfdjauung fo fefyr an: nid)t braucht es uns 3U fümmern ober gar 3U befümmern, ob fie in allen (Ein3el= punften für ben logifd) ober pl)ilologifd) nad)red)nenben 23erftanb ftid)t)altig fei, ba U)xe innere, tiefere, nämlid) perfönlid) erlebte 2Bal)rf)eit unb 2BaI)rf)aftigfeit burd) bie einfam ragenbe (Bröfce bes aus il)r heraus (Befdjaffenen am über3eugenbften unb nad)l)altigften ermiefen merben. 3ebe 2luffüfyrung eines 2ßagnerbramas jebod) mufc, mo aud) immer fie ftattfinbe, 3mar nid)t in all unb jeber äufcer^ lidjen (Ein3ell)eit, mofyl aber in il)rer tiefften 33ermur3elung 28 mit jener fünftlerifdjen 2tnfd)auung bes ^omponiften in ©inflang 3U bringen fein. 2Bagner benft fid) fein (Befamthrnftmerf aus einem einmütig=harmonifd)en 3uf°nimentr)irfen aller fünfte ent= ftanben. freilich orbnet er, ber egosentrifdjfte *Dtufifbenfer oller Reiten, bte einseinen fünfte nicht in völliger (Bleid)= beredjtigung nebeneinanber, er läßt fie melmehr bie D^olle tragenber 6äulen fpielen, bie 3toar ein nid)t 3U miffenber fünftlerifdjer ^Beftanbteil bes (Bansen finb, als I)ödjfte, jenem (Bangen erft feinen cfyarafteriftifdjen 6inn oer= leiJjenbe Krönung aber bas 2ßort=£on=£rama ftüfeen unb tragen. 5ßagner fpricfjt gerabegu baoon, baß ber „Xrofe" unb bie „©elbftänbigfeit" ber ©inselfünfte, alfo aud) ber Üttufif (50o3art, (Bind, *8eetl)0üen!), „gebrochen" merben müffe, baß fie fid) gegenfeitig „lieben" müßten, auf baß bie „Qsrlöfung" in bas „mahre Shmftmerf" ermöglicht werbe. Das gilt üon ber £ans=, £on= unb Did)tfunft ebenfo roie oon ber Malerei, ber 23au= unb 2$ilbhauerfunft 60 phantaftifd) manche ber äftJ>etifd}en Spefulationen SSktgners gumeilen aud) erfcheinen mögen, fo finb ifyre praftifdjen, nod) fyeute buchftäblid) greifbaren (£rgebniffe, wie etma bas SSa^reuther ^eftfpielhaus in feiner benfbar 3Wedmäßigen 2lusftattung, ber befte *8emeis für bie im übrigen aud) im gangen Gtfjarafter ber 2Bagnerfd)en ^unft feftgelegte Xatfadje, baß mir es nid)t mit fjaltfofen #irn= gefpinften, fonbern mit ben 3toar manchmal oerfdjmommen formulierten, innerlich aber auf's ffarfte erfd)auten $ro= jeften eines Ü£heaterpraftifers par excellence 3U tun t)aben. 60 ftef)t benn ber 3Xrd)iteft mit feiner fünfte lerifdjen Arbeit im (Befamtplan bes *8at)reutf)er SCfteifters auf feinem gan3 beftimmten ^latj, unb innerhalb biefes $lafees ift feiner ^antafie nach Maßgabe bes Möglichen ber breitefte Spielraum gegönnt. Die „falten" unb „teil-naf)mlofen" 2ßänbe ber 2Ird)iteftur mill 2Bagner nun aber „mit ben frifd)en färben ber -ftatur" belebt unb mit bem „marinen ßid)te bes 2tetl)ers" gefdjmüdt miffen; bie 2(rchiteftur, ein organifdjer 3Seftanbteil feines Shmftmerfes, foll fid) beshalb „liebebebürftig" ber Malerei „in bie 5Irme werfen", unb baburd) gebenft 3Bagner bie 3Saufunft in bie Statur 3U „erlöfen". 3a, er hängt biefem (Bebanfen fo innig nach, baß ihm ber 35eruf jener „6d)mefterfünfte" oer= fehlt erfdjeint, fo lange fie „egoiftifd) getrennt" feien: $rei* heit unb unerfd)öpflid)e $rud)tbarfeit merben ber 2Trd)itef--tur unb ^laftif im (Befamtfunftmerf belieben fein, unb bie Malerei „mirb uns fo lehren, bie 53üf)ne für bas brama= tifche Shmftmerf ber Qufunft 3U errieten, in meinem fie. felbft lebenbig, ben marmen i)intergrunb ber Statur für 29 ben lebenbigen, nid)t mel)r (plaftifcfy) nadjgebilbeten 9Cftenfd)en barftellen mirb". 3n fetner finnlidjen, geiftigen unb feelifdjen 2öirfung auf uns ift 2Bagners Slunftmerf beftimmt gan3 tüefentließ m u f i f a 11 f n fdjon als Jüngling in ber 5Qlagbeburger 3^ in öer Dtolle bes *Komeo (Fellini), ber Desbemona (^Roffini), bes 34&eIio unb ber 2lgate im „greifdjüfe" „eleftrifd) traf": bie Shmft ber 6d)röber=Det)rient, beren gefängliches können mittel* mäßig unb beren SfJlufifalität relatio gering mar/ mirfte aber be3eid}nenberroeife in erfter ßinie burd) itjre fdjau* fpielerifd)=bramatifd)en Smpulfe! 5öagner f)at feine (Ein* ftetlung unb 2lnfd)auung in biefer SSegiefjung im ßaufe feines gan3en Gebens unb Schaffens nid)t geänbert, benn nod) im 3at)re 1875 beftimmte er 3um Darfteller feines (Biegfrieb in (Beorg llnger einen Sänger oon 3meifelfyaften Qualitäten, unb 3mar einsig aus bem ©runbe, meil feine fcfylanfe, t)0<$) unb ebel gemadjfene (Seftalt iE>n für bie augenftnnlidje 23erförperung bes jungen gelben präbefti= niert erfdjeinen lieg, unb umgefefyrt tonnte 5ßagner ftd) nid)t bereitfinben, einen guten Sänger unb tüchtigen ÜRufifer 3U oermenben, beffen äußerer 2ßud)s bem (El)araf= ter ber if)m 3ugebad)ten IRolIe nidjt angemeffen mar. 3n biefem Sinne betätigte fid) 2Bagner benn aud) als D^egiffeur. So berichtet ^einrid) Jorges im „93aQreutf)er Xagblatt" oon 1882 über bes OJteifters 2Irt, bie „^Sarftfal"groben 3U leiten: ,,TOmifd)e 2lftion, Ottufif unb Sprache, nid)ts läßt er außer ad)t. ©ine unrichtige £)anbbemegung, eine oer= geffene ^aufe, ein unbeutlidjes S2lusfpred)en eines $onfo= nanten ift il)m ebenfo mid)tig mie bie großen Qüge ber 2lftion unb bas richtige (Eingreifen ber fsenifdjen gaftoren in ber Xf)eatermafd)inerie". Sufall unb 2ßillfür l)aben im SDhtfifbrama, mie ein IKidjarb ffiagner es t)ermirflid)t miffen mollte, feinen *Raum; innerhalb bes (Sefamtfunft* merfes l)at ein *Räbd)en in's anbere 3U greifen; 2Bort= unb Üftotentejt, forme ber (Seift ber f3enifd)en 23orfd)riften mollen bis aufs 3=Xüpfeld)en befolgt fein mit jener oölligen #in= 30 23üt)ne für ßofjengriri 1923 gäbe an bie <5ad)e, als beren lefetes unb entfdjeibenbes (£r= gebnis 2Bagner felbft bie Deutlichfeit auf jenem 21n= fd)lag3ettel befinierte, ben er am 13. 21uguft 1876 — oor ben erften Bat)reutf)er geftfpielen — an feine „lieben ($e= treuen" verteilen Heg: „Die großen 9bten fommen oon felbft, bie fleinen 9loten unb ihr Xejt firrb bie £)aupt[ache. 9Me bem ^ßublifum etmas fagen, [onbern immer bem anbern; in Selbftgefpräd)en nad) unten ober nach oben blicfen, nie gerabaus!" Die oon kämpfen gärenbe 2Bagner3eit hatte bie Be= 3eid)nung „Dper" als üftame für bes DJleifters „9!Kufif= bramen" ober „#anblungen" in 21d)t unb Bann getan; bie fühlere Beurteilung unferer heutigen, 2Bagner gegenüber ftfjon mehr ge[d)id)tlich fid) einftellenben Qeit oermeibet ben Begriff „Oper" nicht mehr fo ängftlid), benn fie meift, bafc 2Bagners 2Berf eben aud) nur ein ©lieb innerhalb ber großen $ette, ein Beftanbteil ber großen Dperngattung ift, bie feit 1600 blüht. 2öagners perfönlidje Abneigung gegen bie „Dper", ober fagen mir beffer: gegen bas Dpern= t>afte feiner hatte freilief) ihre guten (Srünbe. (£r bebauerte unb befämpfte bie „materielle", ftoff!id)=quanti= tatine 93ormad)tfteIIung bes „Sänger s" in ber 3eit= genöffifd)en Oper, unb er befämpfte fie burcf) feine $unft= tat, um ben „D a r ft e 11 e r" aus feiner „beiläufigen Stel= lung" heraussuheben. Er verachtet unb befämpft gleicher* mafjen „ein ^ublifum, meines 3unäd)ft auf Befriebigung feines mollüftigen Verlangens bes (Behörneros gan3 für fid) ausgebt unb oon bem (Benuffe einer bramatifd)en Dar= ftellung fomit faft gan3 abfielt". Er oerlangt runb heraus in erfter ßinie ben Darfteller unb betrachtet ben Sänger nur als Reifer bes Darftellers. üftur aus biefem (Srunbe ift 5ßagner ein (Segner ber „Oper". 3rt biefem Sinne ift Sßagners 3Jtufif, ja jebe fleinfte ^{)rafe biefer EDZufif oiel eher aus bramatifdjem als aus rein mufifalifdjem (Seifte ge3eugt. Beseidjnenb genug ift es, mie 21nton Seibl aus feinen in ben erften Baqreuther „9ting"=$roben gemachten Erfahrungen berichtet unb fdjlanftoeg befennt, bafj er erft in i^nen bie Bebeutung jeber ^ßhrafe' ie&er ®etgen= figur, jeber Sed)3ef)ntelnote burd)fd)auen (ernte unb er= fahren mufcte, mie man aus ber fd)einbar unbebeutenbften (Seigenpaffage „burch f3enifd)e #ilfe" gleichfam ein Ereignis machen fönne. $ür ben IRegiffeur 2ßagner gab es über= haupt feine ^leinigfeiten, bie man hätte ungeftraft oer= nachläffigen fönnen, unb er bünfte fid) felbft nid)t 3U fchabe, gelegentlich &er groben 3um „*Ring" im Berliner Biftoria-theater Sieglinbe genaueftens oor3ubemonftrieren, mie fie ben Slopf in Siegmunbs Sdjofc 3U legen unb 3U entfd)lum= mern habe, unb er beftanb barauf — bas miffen mir oon 32 ßoppotcr 2BaIöoper 1924: „2Balfüre", I. 2lft fjunoing: Otto $)elgers=58erlin, Siegmunb: gritj 6oot=93erIin, Sißglinbe: ©ertrub ©egersbadHHMen — ftünftlerifdje ßeitung: ijermann 3Jlerg=2)an3ig Angelo ^teumann —, „baß 93rünnhilb bei ber Xobesoer* fünbigung bert rechten Arm an ben fyals bes ^ferbes lege unb Sd)ilb unb Speer mit ber ßinfert faffe". Das fei ein äußerlich tl>eatralif(f)er (Effeft, mirb man hter üielleidjt ein= menben —, biefer (Einmanb mill aber rein gar nichts gegen bie Stichhaltigfeit foldjer 2Bagnerfd)er Intentionen befagen, benn fotcfje XI)eatrali! gehört gan3 einfad) 311m 2ßefen bes ^aqreuther Shmftmerfes, beffen Schöpfer im ©runbe feiner Seele eben Xfyeatermenfd), Sdjaufpieler mar, meieren fein lebhaftes Xt)eaterblut unter llmftänben fogar 3U ben mage= halfigften Slunftftüden oeranlaßte, mie 3. 93. in ber 93er= tiner ,,9S$alfüre"=*Probe im Sahre 1881: I)ier führte er ben ftaunenben Darftellern in ber ^olle bes Siegmunb ben $ampf mit £)unbing mit einer 9taturaliftif cor, baß man atigemein um bie Reiten (Stiebmaßen bes Ad)tunbfed)3ig= jährigen Sorge trug! (Einem Slunftmollen, bas in einem foldjen 3!Jlaße bie äußerften Slonfequensen 30g, t)at man — bas ift bie ßehre foldjer verbürgten (Sefdjehniffe — aud) heute noch Achtung 3U be3eigen, benn es erseugt jene Xt)eatrali! nid)t als sufälliges Attribut, fonbern als burd)= aus mefenhaftes Xeil. Das ift übrigens gerabe t)on 3rie= brid) ^iefefdje, mooon nod) 3U reben fein mirb, aufs fd)ärffte erfannt morben. Deshalb braucht man jebod) 2ßagners Dramen nicht etma 3um Sd)auplat3 grober unb plumper Xf)eatereffefte 3U machen. 2Bagner mar in biefer i)infid)t mefentlid) feinfühliger, als manche feiner bud); ftabengläubigen Verehrer es ansunehmen fdjeinen: fo mürbe er burd) bie Senfation aufs peinlidjfte berührt, bie Xl)erefe 23ogl anläßlich ber erften 9!Jttmd)ener „!King"= Aufführung (Dtooember 1878) baburd) hervorrief, baß fie fid) am (Enbe ber „©ötterbämmerung", bem 93ud)ftaben ber f3enifd)en 93orfc^rift gehorfam, auf ihr 9toß (Srane fd)mang unb mit ihm über ben brennenben Scheiterhaufen fetjte. 2Bagner trug fid) baraufhin mit bem ©ebanfen, jene f3enifd)e Anorbnung 3U tilgen. 5Bie Sßagner perfönlid) nur 3U häufig bie Sunftion bes S^egiffeurs feiner Dpern übernahm, fo entfprad) es feiner $unftanfd)auung im allgemeinen, baß ber bie Auf= führung leitenbe SUhtfifer, alfo ber tapellmeifter, fid) ins engfte (Einoernehmen mit bem IRegijfeur 3U fetjen unb biefen über bie aus ber m u f i! a l i f d) e n Partitur fid) ergebenben fsenifdjen ^otmenbigfeiten 3u unterrichten habe; als größten Uebelftanb geißelt er es, menn ber Slapellmeifter fid) auf bie Ausbeutung ber Partitur, ber ^egtffeur auf biejenige bes „Ruches" befd)rärt!t unb beibe auf biefe 2öeife aneinanber oorbeiarbeiten. 2ßagner er= flärt mit biefem Uebelftanb unb nur mit ihm „bie innere 3ufarnm^an9^°^9^e^ un& öt*amatifcf)e Unmirf= 34 famfett unferer Dpernoorftellungen" unb fpridjt es mvev-I)oI)Ien aus, bafc feine Opern „auf biefe 2Beife bis ßur üollften Unfenntltdjfeit oerftümmelt merben müffen", roeit tyre „eingige 2Birfungsmöglid)feit" eben in bem engften 3ufammenf)ang 3mifd)en ©3ene unb Sttufif beruhe: „Die meiften f3enifd)en Angaben finb erft in ber Partitur an ben be3Üglid)en mufifalifdjen ©teilen entsaften, unb biefe f)at bafyer ber IKegiffeur mit $) i I f e bes Stapellmeifters bis 3um genaueren Snnefyaben fenne^ulernen". Die ^ergröfäerungsmöglidjfeit ber 23üf)ne unb bes 3U= fdjauerraums ift im #inblicf auf bie Aufführung von $öagneropern nid)t unbegrenst, unb fie ift für bie eisernen 5ßerfe oerfdiieben. 2fts mid)tigftes Oefefe lägt 2Bagner in biefer #infid)t einsig bas „*8ebürfnis nacf) 23erftänbnis bes ®unftmerfs" gelten, unb 3mar fomot)I oom optifdjen mie Dom a!uftifd)en (Btanbpunft aus. (£r f)at fid) übrigens öietfad) aud) über bas „Xfyeatergebäube ber 3u?unft" (Be= banfen gemacht, bie in allen fünften ben logifd) ben!en= ben Xfyeaterpraftifer oerraten: er gebenft bei biefen Unter= fucfjungen ber mittelalterlichen 9Jh)fterienbüf)ne, bie man „auf raeitem 21 n g e r ober auf freien l ä e n" auffd)Iug, unb betont bie gefd)id)tüd)e unb äftfjetifcfje üftotmenbigfeit ber Verengung bes Sdjaupla^es unb ber ^)anblung: beibes ftefyt für feine 2tnfd)auung, bas ift 3U beachten, in unmittelbarem inneren Qufammenl)ang. 2lnberfeits mar, roie allgemein befannt ift, oon jeher ein fiieblingsgebanfe 2öagners bie ^erausreiftung feiner 2Berfe aus ben Repertoiretheatern. Das gilt oor allem vom „Ring", ben er lieber in einem promforifdjen Raum, unb märe es lebiglid) eine Riefenhol3bube gemefen, aufgeführt miffen roollte, als in allen i)of= unb Staatstheatern ber 2Öelt. III. „2Benn man oerfucht Ijat, bie grofrartigften (Entmicf= lungen aus inneren Hemmungen ober ßücfen ^erjuleiten, menn 3um SSeifpiet für ©oetfje bas Dichten eine 2trt 2Ius= funftsmittel für einen oerfehlten Dttalerberuf mar, menn man oon Schillers Dramen als oon einer oerfetjten 33oIfs= berebfamfeit reben fann, menn 2Bagner felbft bie görbe= rung ber $ftufif burd) bie Deutzen unter anberem aud) fo fid) 3U beuten fud)t, bafc fie, bes oerfüf)rerifd)en Antriebs einer natürlid) melobifdjen Stimmbegabung entbefjrenb, bie Xonfunft etma mit bem gleichen tiefgefjenben ©rnfte aufsufaffen genötigt maren, mie ihre Reformatoren bas (H)riftentum —: menn man in ähnlicher 5öeife 5ßagners 35 (Fntmicflung mit einer folgert inneren Hemmung in 23er-binbung fetjen mollte, fo bürfte man toofyl in tym eine fd)aufpielerid)e Urbegabung annehmen, meiere es fid) oerfagen nutzte, fiel) auf bem nädjften trioialften 2Bege 3U beliebigen, unb meld)e in ber 5)eran3ief)ung aller fünfte 3u einer großen fd)aufpielerifd)en Offenbarung il)re 2fusfunft unb ifyre Rettung fanb. 2Iber ebenfo gut miiftte man bann fagen biirfen, bafc bie gemaltigfte Dttufifernatur, in ifyrer 93er3meiflung, 3U ben i)alb= unb 9tid)tmufifern reben ju müffen, ben 3u9^g 3U ben anbern fünften geroaltfam erbrad), um fo enblid) mit fyunbertfadjer Deut= lid)feit fid) mitsuteilen unb fid) 23erftänbnis, oolfstüm= Iid)ftes 23erftänbnis 3U ersmingen. 2ßie man fid) nun aud) bie ömtmicflung bes Urbramatifers oorftellen möge, in feiner Steife unb 23olIenbung ift er ein (Bebilbe ofyne jebe Hemmung unb ßücfe: ber eigentlid) freie ^ünftler, ber gar nid)t anbers fann als in allen fünften sugleid) benfen, ber Mittler unb 23erföf)ner 3toifd)en fd)einbar getrennten Sphären, ber 2Bieberf)erftetfer einer (£in= unb a ti 3 i g utiö 3 o p p o f (Erinnerungen an bie Offfafjrf bes 2leicf)st)erbanbes ber beutfdjen treffe im Juni 1924 Uon Dr. Jrit} 33ergemann Is ber *Reid)soerbanb ber beutfdjen treffe jum 93e= ratungsort feines alljährlichen SSerbanbstages im oorigen Safyre Königsberg mäfylte unb feine TOtglieber aus allen ©auen bes ^eidjes nad) bem Dften befcfyieb, befunbete er bamit feine befonbere Xeilnaljme an bem 2ßol)l unb 2Befye all jener (Sebiete, bie ber SSerfailler Vertrag oon bem beutfdjen üftutterlanb losgeriffen ober getrennt hatte. Da fonnte aud) Danäig nicf)t übergangen merben, bie uralte beutfdje ftanfeftabt, bie frembe SBiUfür gmar oon uns fd)ieb, bie aber barum uns nur um fo teurer gemorben. 2Bie es uns auf bem 2Bege nad) Königsberg hm sur 9Jlarienburg brängte, um an biefer t)iftorifd)en (Slangftätte beutfdjer Xatfraft unb Kunft uns innerlich aufäurid)ten, fo mar es uns aud) ein *8ebürfnis, mit unfern 5Srübern unb Sdjmeftern im neugebilbeten greiftaat Dangig beutfdjen ©rüg unb bas ©elöbnis treuer ©eiftesgemeinfdjaft ausgu^ taufchen. Die Seit mar fürs, aber um fo foftbarer. Das 23e= mufctfein non ber 35ebeutung bes 2lugenblicfs I)ob unfere fersen unb ftärfte bie 6inne, baft mir bie mannigfaltigen Einbrücfe aud) erfaffen unb galten fonnten. 9tod) nad) Sahresfrift finb fie unoermelft, unb fie blühen neu auf, menn ber Qauberftrahl ber Erinnerung auf fie fällt. Unb bie Erinnerung ruft fie mad), menn f)ier ^oppots unb ber fdjönen Dangiger 93ud)t gebad)t merben foll. Die *Rioiera bes Horbens! 5Iud) fie ja burften mir mit eigenen klugen fdjauen, aud) an ihren Zeigen unfer £jerg erfreuen, als mir Dangig auf jener iJaljrt gen Dften befud)ten unb feine ©aftfreunbfdjaft in 5Infprud) nahmen. Erft Dangig, bann _30PP0^ ber alten beutfd)en ^anfeftabt mit ben heften mittelalterlicher dauern unb Xore unb ben munberoollen 6d)äfeen aus gotifd)er *8augeit prägte fid) gu= näd)ft bei uns ein, unb mit bem Erlebnis, bas bie 9Ularien= firdje mot)I jebem anbad)tsfät)igen $remben befdjert, im 43 er3en, gingen mir abenbs 3um 2lrtushof, reo mir in enger (Bemeinfdjaft mit ben Vertretern bes heutigen Dansig aud) einen (Einbrucf t)on bem gegenmärtigen greiftaat unb feinen ^Bürgern erretten. Unb befonbers biefe 6tunben gepfloge= ner ®eiftesgemeinfd)aft im 2lrtusl)of reiften fid) mürbig unb erhebenb an bie meihenollen 2Iugenblicfe, ba mir in ber SÖtarienburg bie (Steine oon ber Uncerfiegbarfeit beutfd)en (Empfinbens 3U uns reben liegen: auch bie Gängiger merben ihr beutfdjes (Empfinben nicht aufgeben unb bie Freiheit bes (Beiftes bei allem politifd)en Spange 3U mafjren miffen. 60 t)o!I von neuen (Einbrüden unb (Erlebniffen fuhren mir am nächften borgen burd) ben Sanßiger f)afen f)inaus auf bie Dangiger *8ud)t, bem Dftfeebab 3u, beffen 6tabt= üermaltung uns 3ur 23efid)tigung feiner Anlagen eingelaben hatte. ©ine neue 2Belt tat fid) mit ber Dampferfahrt vor uns auf: Die lanbfchaftlidjen D^e mürben uns nad) unb nach offenbar, beren fid) Dan3igs (Sebiet 3U erfreuen h<*t. Ve= malbete £)öt)en begren3en im Sßeften unb 6üben ben £)ori= 3ont, im Often bef)nt fid) bie grüne (Ebene hin 3um 2öeid)fel= belta, nad) Horben 3U aber blaut ber Gimmel über ber mogenben Dftfeeflut. Der „tHioiera" fteuern mir 3U. ßadjenb unb rei3t>oII liegt fie ba, mie eine föftlidje ^ßerle am Ufer bes leeres, alt unb bod) emig neu, ein Sungborn für erl)olungs= bebürftige 9Ulenfd)enfinber. Vor fjeftigen 3Beftftürmen burd) bie malbigen i)öf)en im dürfen gefdjü^t, erfreut fid) biefer Slüftenftrid) eines befonbers milben, aud) fd)mäd)= lidjen Naturen 3uträglid)en 6eeflimas unb oerbient aud) aus biefem ©runbe jene ftolse Ve3eid)nung. 2lus bem 2ßalbesgrün eines 2öin!els im ^intergrunbe lugt mit ein= 3elnen Villen unb Xürmdjen bie reisenbe (Sartenftabt Dlioa heroor, unmittelbar am Stranbe jebod) breitet fid) Soppot aus, burd) feine ftol^en Shtrfjausanlagen unb ben breiten Seefteg fid) beutlich Don ben Heineren Vabeorten ber D^ad)= barfdjaft abhebenb. Unb nun nimmt uns bas Sßeltbab Soppot auf unb lägt eine ©turßflut oon (Einbrücfen über uns fid) ergießen. 2luf ber Vrütfe eine regelrechte *ßromenabe mit ^urfon^ert, unten am fd)önen breiten 6tranbe bemimpelte Sanbburgen unb ein buntfrohes Xreiben. Dod) burd) ben Slurgarten an ber Fontäne oorbei bie ^erraffen hinauf gel)t es ins ®ur= haus, beffen ftifoolle ^aumfunft unb eleganter 3nnen= fchmutf uns 3ur ^Bemunberung 3mingt. Sßeiter 3um lujruriöfen $afino mit feinen geräumigen (Bpielfälen, einem ftaatlid) fon3effionierten Unternehmen, bas allerlei Birten von (Blücfsfpielen 3ulägt. ©in üütonte (Earlo alfo an ber Riüiera bes Horbens! Unb in ber Xat fdjeint fid) aud) an 44 3oppoter 3Batboper 1924: „5Batfüre", III. 2lft 2Botan: SBilljelm *Buer5=fjambur0, SBrünntjilbe: grieba ßeiber=23erlin — S?ünftterifcf)e ßcitung: Hermann aKera^Sanaig 45 biefer Spielbanf bie internationale 5ßelt ein Stellbidjein 3U geben, benn man fann fyier bie oerfdjiebenften Sprachen f)ören unb aud) 2lngefyörige anberer (Erbteile treffen. Seitab oon biefem weltftäbtifdjen (Betriebe aber, im ftillen Sauber bes halbes, liegt nod) ein anberer 2ln= 3ief)ungspunft oon ^oppot: feine grofte 2Balboper. ©ine furae Sßagenfafyrt führte uns t)in 3U if)r unb vermittelte uns einen unerwarteten (£inbrud. Naturtheater gibt es wofyl mefyr in Deutfcfylanb, aber feines oon fo gewaltigen 2tusmaf}en wie in 3°PP0t. 2luf einer 3Siit)ne, wie fie fid) in feinen Steinbau faffen lägt, ergeben fid) riefige gelfenpartien, funftootte Anlagen, bie bod) inmitten ber fyocfyaufragenben grünen 23aummipfel wie Natur wirfen. Seit gut 3et)n Sauren heftest biefe 2ßalb= büfyne, unb oon fleinen 2frtfangsoerfud)en im Dperettenftil fjat fie fid) bis 3ur 2Biebergabe ber tunft Nidjarb 2öagners emporgearbeitet. „Die 2Balfüre" ift im vergangenen Satyr gegeben worben. 2Ber an bie grogartigen ©ebirgsfgenerien biefer Oper im sweiten unb britten 2Ift benft, wirb fid) bie SBirfung ber 2tuffiit)rung gerabe auf biefer Naturbühne oorftellen fönnen. ßumal aud) bei ber 2Baf)l ber mit= wirfenben Gräfte auf bie (Bewinnung nur ber bewälirteften ^ünftler unb ^ünftlerinnen $ebad)t genommen wirb. Siein SBunber alfo, wenn ber 3Sefud) einer 2Bagner=2luffüfyrung in ber Qoppoter 2ßaIboper ein Erlebnis bebeutet, unb oon oielen fogar, ber SSMrfung nad), einer 5$agreutfyer 2luffül)= rung gleidjgeftellt wirb. *8aqreutf) unb SD^onte (£ar!o, Slunft unb Natur, wal= bige i)öt)en unb fonniger Oftfeeftranb — wo fänbe fid) bas fo oereint gufammen wie fyier im beutfdjen Norboften, an Dansigs Nioiera! SSJlit biefem (Sebanfen Rieben wir, nad)= bem wir nod) einen fdjönen (Befamteinbrud oon ber fd)önen (Begenb oon Stol3enfels aus genoffen Ratten. 2Bie wir nun auf bem Dampfer „Dbin" 3oppot unb Danjig allmäfilid) oerfd)winben fafyen, ba gelobten wir nod) bem 2öal)r3eid)en Dansigs, beffen wud)tig=maffioer Xurm uns über bie See ernft nadjwinfte, ber 9ttarienfird)e, treues ©ebenfen 3U allen Stunben, unb in biefem Sinne feien aud) biefe (£r= innerung$3eüen als ein ^Befenntnis 3U beutfdjer 2Irt unb ßanbfdjaft aufgefaßt. 46 Weiterungen ber feünefjmenben Mnftter iefe Aufführungen ber „2öalfüre", bei ber id) bie grofte greube hatte, mitsumirfen, trtrb mir als mein größtes unb fdjönftes Xtjeatererlebnis in (Erinnerung blei= ben. Dttan fönnte fo oieles barüber fagen, bod) feien nur bie gan3 befonbers mirfungsoollen (Einselheiten angeführt. 2Bagners l)errlid)e „2öalfüre" unter ©ottes Sternenhimmel, unter mirflid)en Bäumen, bie mie von unfid)tbaren 5)änben bemegt, beim ©emitterfturm 3U Anfang bes erften Aftes fid) fd)ütteln, mirb jebem ber gu 3el)ntaufenben 3ählenben ^Befudjern unoergeftlid) bleiben, (Ergreifenb mar es, menn mährenb bes erften Aftes, ber bei Xageslid)t gu fpielen be= gann, langfam bie mirflidje Dämmerung nieberfanf, um bei ben 2Borten Siegmunbs „ütief in ber *Berge 93ufen glimmt nur nod) Iid)tIofe (Blut" bann gan3 in Dunfelheit unter= 3ugehen unb bie £)ütte bann oom hetmifd)en ^erbfeuer in ein meines ftimmungsoolles ßid)t gefüllt mar, mährenb bes ßiebesbuettes Siegmunb unb Sieglinbes. *ßrad)tt)otl mar bie ©3enerie bes 3meiten Aftes gelöft. üftachbem bie £junbingf)ütte abgetragen mar, bot fid) bas 3Mtb einer natür= lid)en gelsfd)lud)t, mo bie glud)t Sieglinbes ergreifenb 3m: 5Bir!ung fam unb mirflid) fo mie Siegmunb bann fagt: „lieber gels unb Stein fprangft bu bahin". Phänomenal mar ber ^Beginn bes britten Aftes, mo als 3ßalfüren oerfleibete Leiter über ben ^Berg, ber bie Bühne nad) hinten abfcfjtoft, auf herrlichen Pferben ange= jagt famen unb am Schluß ber 2Balfürenf3ene oon grellen 2Mit$en beleuchtet, mieber baoon raften. Das fyatte etmas bämonifch=gefpenftifd)es, unb bei fei= ner Aufführung oerfäumten mir TOtmirfenben, uns biefes feltene Sdjaufpiel angufehen. 3n gan3 granbiofer 2Beife ftieg bann am Schluß ber geuer3auber auf, unb man h^ fid) bann bei ben 5öorten 2Botans: „2Ber meines Speeres Spi^e fürchtet" einen Sßotan aus bem ®efd)Ied)t ber liefen gemünfcht, 3U fo monumentaler ©röfte mud)fen Szenerie unb 50^ufif 3ufammen empor. Die afuftifche grage mar burd) bie glüdlidje ßage bes Üerrains in fo ibealer 2ßeife gelöft, bas feinem ber Querer auch nur eine Silbe oer= loren ging. © e r t r u b ©egersbad) (Sieglinöe) ©taatsoper SÖßien 47 3d) bin, tote alle meine Kollegen, bie in -Soppot maren, eine begeifterte 2tnf)ängerin ber 2Balboper über= tjaupt. (Es gibt für mid) nid)te Schöneres als bie 30PP°^r 2Balbbül)ne. Sebe (Ei^elheit 3U fd)ilbern, vorüber man in ©ntßücfen gerät, ginge 3U meit — nur fooiel, es ift ein un~ befd)reiblid) ^o^es (Befliß, fo in (Sottes freier 9tatur 3U fingen, feine *ßappbäume mit üblem ßeimgerud) 3U fehen unb 3U riechen, feinen Staub mit unglaublich oielen ^ßa3iUen 3U fd)luden, fonbern ben £)als 3U öffnen unb flare reine ßuft bis in bie ßungen einatmen 3U fönnen. 3d) habe aud) nom 3ufd)auerraum t)etfd)iebene Ssenen fef)en fönnen unb mufc fagen, bafc id) mie alle anbern überwältigt mar. Unb bie 5tfuftif! SCRan braucht ja faum ben 9Jtunb 3U öffnen, unb fd)on flingt ber Xon — auger ber 9Jtetro^ politan=Oper in 9lem ?)orf, bie ihrer fabelhaften 2tfuftif megen befannt ift, t)abe id) nie eine 93ül)ne gefunben, mo fidj's fo leicht fingt unb wo bie Stimmen fo flingen, mie in 3°PPOt! Margarete 5lrnbt = Ober ($ricfa, (Eröa) ©taotsoper ^Berlin 5Seoor id) biefe 30PP°ter 2Balbbül)ne gefehen hatte, fonnte id) mir gar nidjt corftellen, mie man im freien einen fo munberoollen (Einbrud eines gefd)loffenen Raumes befommen fann. Diefer *piafe aber, ben man in Soppot fo glüdlid) gemählt l)at, ift für 2ßalbfeftfpiele gerabe3u mie gefdjaffen. 2Bas bie 9tatur nid)t fd)on üollfommen l)tnge= fteüt l)at, mirb burd) ben flaren SSlid unb bie tatfräftige £)anb bes Spielleiters Hermann 3CRer3 erftaunlid) natür= lief) ergäbt, ßid)teffefte gerabe3u märchenhaft, merben burd) Scheinmerfer hervorgerufen unb menn bann nod) bie 2ltmofphäre bes 5ßalbes bie mahre Stimmung ber 9tatur gibt, mas foll bann noch 3U münfd)en übrig bleiben. Die ^ünftler, bie ba3U berufen maren, bie ©eftalten in ben ge= gebenen Dramen 3U oerförpern, neroollfommnen nod) nad) Gräften ben (Einbrud, ben ein ÜDhiftfbrama, bas fid) in ber D^atur abfpielt, geben foll. 3d) mar von ber Sßirfung frappiert. hammerfängerin Melanie $ u r t (SSriinnfyHbe) 3d) hatte nun fd)on 3um smeiten Dttale bas (Slüd, in ber 2Balboper eine meiner auptgeftalten 3U freieren, muf5 aber fagen, bafc, abgefehen baoon, ba£ „gibelio" burdjaus mohlgelungen mar, bie 3nf3enierung ber „5BaI= füre" einen ungleich tieferen (Einbrud auf mid) gemacht hat. (Eine mahrhaft gigantifdje Aufgabe, bie aufs glütf= lichfte gelöft mürbe. 48 hermann ÜBtera $aul 2Baltf)er=6cf)äffer ©in unvergeßlicher, erhabener (Einbrucf für alle Slünftler, befonbers für mich, bie niemals fo gern toie in 3oppot bie „SSrünnhilbe" gefungen hat. Stuf 2Bieberfehen I^offentlid) im nächften Sahr in Soppot. grieba ß ei b er (95rünnt)ilbe) ©taatsoper ^Berlin 3oppot! Unoergeßliche (Einbrücfe beleben fich bei Nennung biefes Samens. Selten oereinte Schönheit ber 5ftatur, bas fcljöne 3SiIb bes Stranbes, umfäumt Don grünen Mügeln, taucht oor meinen 93licfen auf unb in= mitten biefer #ügel, eingebettet in bem herrlichen beutfchen *8uchentoaIb, bie 2Balbbüf)ne. — 3cf) fann tuohl fagen, baß ich nie bas tlreigenfte ber 5Bagnerfchen Sütufif als fo untrennbar oon Ssene unb i)anblung empfunben tyabt, toie gerabe tyex. Sie gan3e Umgebung ber 9tatur, altes fpielt mit unb oertieft ben (Einbrucf, führt 3U einer fonft faum erreichten Renoir flichung ber poetifchen Sbee. Da alle Gräfte, bie am 2Berfe toaren, mufifalifdje ßeitung, !Regie unb Sänger, mit *8egeifterung ber Sache bienten unb bie ©eftaltung ber Ssene tieffte (Einfühlung in ben poetifchen ©ehalt ber Sßagnerfchen unftrid)tung be= funbete, fam es 3U ungeahnten SSMrfungen, bie auf bas ^ublifum ben nachhaltigen (Einbrucf ausübten. 9!Jlir per-- fönlich ift Soppot unb feine 2öalbbül)ne, an bie ich nun fchon einige 3af)re berufen toorben bin, richtig ans i)er3 gemachten unb freue ich mich jebesmal, einem 9lufe borthin $olge leiften 3U fönnen. Otto ^elgers ($)unöing, gafncr u. a.) 6taatsoper ^Berlin 2tus meiner 2Balbesftilte heraus fchtoeifen meine (Se= banfen 3urüell brennenbe, näd)tlid)e 2ßalb fdjrecfenooll feinen lobern= ben <5d)ein. 5ßat)rlid) eine Gelegenheit, „bas gürdjten 3U lernen"! 2Beld) unvergleichliche fiöfung bes 0euer3auber= Problems burd) ben genialen Oberregiffeur Hermann 9Jler3, beffen fünftlerifdje 23olInatur in einem großen Xätigfeitsgebiet Ijeimifd) ift! Dreine (Einbrücfe ber „5Birf= 51 Itcfyfeit" unb bes „(Erlebens" empfingen I)ier auf ber (Erb= reichen Mitteln aud) befähigt 3U fein, eine groge fünft* bühne bie barftellenben Stünftler unb bie S^taufenbe von lerifcfye unb im beften 6inne nationale Aufgabe 3U erfüllen. 3ufd)auern, bie ben geftfpielen beitoohnten. 3°PPrt/ &aö 2Bilhelm93uers „norbifd)e SSagreutl)", fd)eint mir berufen unb bei feinen (5Botan) ©taatsoper eit, ein Wallfahrtsort unb eine 2Beif)e= ftätte erfte^en, toie fie uns *8at)reuth fdjenft? Ilm biefes hohe 3iel 3U erreichen, mufe oon ber (Bren3e unb ben ab= getretenen (Bebieten l)ev, oom D^eitf) unb oom Auslanb ber 3uftrom fommen, ber bann ber befte Danf ift für alle felbftlofe Eingabe, mit ber grofte Siebe biefes 2Berf ge= fdjaffen ^at." (Earlßange ö In i f d) e 3 e i* un ö": . . 3n biefem 3ahre hatte man fid) für 2Bagners 2ßalfüre entfdjloffen. Das Vertrauen auf ben SBettergott, ber bie 3oppoter nod) niemals im 6tid) gelaffen tourbe aud) biesmal nicht enttäufd)t. Annähernb fünf= taufenb 3uf)örer, barunter 3af)lreid)e Auslänber, befonbers $olen unb Muffen, hatten eingefunben. Oberfpielleiter Hermann SSJlers, ber Hinftlerifdje ßeiter ber Sßalboper, I)atte für einen f3enifd)en Gahmen geforgt, toie ihn bie ge= fd)loffene ^Bühne aud) nid)t entfernt 3U erreichen imftanbe ift. 52 3u ben ftärfften (Einbrücfen gehörte ber machtoolle Schluß aft, tri bem bie 2BaIfüren auf hoffen burd) ben magifd) er= Teud)teteri 9lachtmalb Ijeranfauften, fotoie ber $euer3auber bei ber (£infd)läferung SSrünnhilbens, ber bie mächtige, über 40 ^Bieter breite unb hunbert 9Jleter tiefe, oon fünftüd)en geifert verbaute 93ühnenfläd)e bis roeit in ben 2Ba(b f)irtein in ein ÜReer oon Dampf unb geuer füllte!" „D e u t f d) e Allgemeine . . (£s gibt mohl feiten eine fo t)or3Üglid) abge-ftimmte 2Balbbühne, nrie bie bei Soppot, auf ber infolge ber gan3 oorsüglidjen Afuftif bem $ublifum aud) bie gröfc ten Reinheiten ber ÜRufif unb bes ©efanges ooll 3uteil werben. Dtoturgemäft fommt es auf ber 2BaIbbühne in gans befonberem Ma^e auf eine gute ^Rollenbefefeung an. 2Baltf)er=(5d)äffer hat in ber Ausmaß immer eine glücfliche fjanb befeffen unb aucE) in biefem Sahre bie Gräfte, bie feinem 2ßerf 3U einem fo großen (Erfolg oerholfen Ijaben, oor3ÜgIid) gemäht." „9Jt a g b e b u r g i f d) e Leitung": . Dieben bem Xfyeater ift als nationale Shilturtat bie ^oppoter 2BaIboper 3u ermähnen, bie bei erftflaffiger 93efe£ung oon fyeroorragenben 5ßagnerfängern unb be= rühmten Dirigenten aus bem *Reid) bebeutenbe &unft-leiftungen er3ielte. ©in *8eifpiel ift bie le^te Aufführung ,,rer in einer 33ergmutöe über ber Oftfee pradjtooU gelegenen SBalbbühne eine 9ieihe befonbers forgfältig einftubierter Dpernaufführungen, 3U benen bie bebeutenbften Vertreter ber (Sefangspartien als (Boliften fjerangesogen merben." 2ß i II i b a I b Dmanfornsti „9[ft ann^eimer Xageblatt": . . Doch ich mollte ja oon ber 2ßaIboper ersähen. ©an3 23ermöhnte in Dingen ber ®unft, 2Beitumher= gefommene unb einfüge regelmäßige 33a^reutf)=2ßaIIfaI)rer maren erftaunt, als fie vor biefer Naturbühne ftanben; '-siten noch mehr, als fie jebes fleinfte gefangene 2ßört= ?ön, bas ihnen bie Bretterbühne öfter oorent= *mch biefer „Siegfrieb"=2Iuffüf)rung ent= Das ift etmas gan3 (Broßes, ©in3ig-W „33 o r m ä r t s": „Siegfrieb" in ber ^oppoter 2Balboper. *Rid)arb 2ßag= ners „6iegfrieb" ift auf ber prächtigen 2Balbbühne bes 6ee= babes Soppot bei Dansig fünfmal bei ftets ausgekauftem 5S)laffenbefud) aufgeführt morben. Die Stabtoermaltung hat fid) bamit als fieiterin ber SBalbfeftfpiele fyotyes 23er= bienft ermorben. Slünftferifch fcfjien es nicht ungemagt, biefe Oper auf ber Sreibühne mirfen 3U laffen. 2lber unter ber *Regie von Hermann SCRer3 mürbe es ein ftarfer fünftle= rifcher (Erfolg. Die 35eleud)tungseffe!te maren 3. 93. mun= berooll. Unter Hufmenbung oon über 2 Millionen 3^ar! hatte bie 6tabt bie Durchführung ermöglicht." „9t a r 0 b , 2B a r s 3 a m a" (Ueberfefeung): . . (£s mar 3U befürchten, baß bie SCRufitfräfte ihrer Aufgabe nicht gerecht merben mürben. Doch &ie Deutzen ließen biefes nicht 3U. Sh^e große Verehrung für 93eet-hooen unb bas Bemußtfein, baß 3ahlreicf)e 2tugen aus aller 2öett fyiex oerfammetter 3uftf)auer auf biefe Schöpfung ge= richtet finb, bilbeten bas leitenbe SJlotiü. Die 6oüften unb bas oerftärfte Drchefter maren ber Hufgabe unvergleichlich gemachfen unb oorbereitet. Der Dirigent Dr. $)eß t)at bas (Banse tief unb reif bearbeitet. . . . ... Sie Gräfte maren aus ^em 5)orf, Hamburg, Berlin unb anberen Stäbten l)erange3ogen. Die i)auptregie rul)t in ben #änben bes #errn 2Baltl)er=6d)äffer aus (Eljemnit} in Sad)fen. (Es ift mir barum 31t tun, baft uon biefem ausgeseid)* neten (Experiment unb feinem Ergebnis alle bei uns $ennt= nis nehmen follen, bie in ben legten Sauren fid) für bie Xfjeaterfrage intereffierten, aber aud) für bie 93ebeutung, für bie Kultur ber bemofratifd) miebererftanbenen Nation." „ß 0 b 3 e r greie treffe": . . Die erlefenften 23erförperer 2Bagnerftf)er Opern= geftalten fanben fid) in einfad) ibealer ^ufammenftellung 3ufammen, um einer ber f)errlid>ften 6d)öpfungen bes 93at)reutf)er DJleifters blutfrifdjes ßeben 3U geben. 2Betye= ftimmung erfaßte bie Xaufenbe, bie auf ber fiidjtung bes oerträumt raunenben 2ßalbes unter bem blauenben 2lbenb= Gimmel $opf an $opf fafcen unb ftanben, alle ein ßaufcfyen, ein Sdjauen, als bie l)errlid)en klänge bes 23or= fpiels ertönten, bie laubgrüne 6d)iebemanb ben 33li