DIE ZOPPOTER mDOPER Die Titeleichnung entwarf Gotthard Schult 3, Dan^ig ® Oliva; Fotos von Hans Sönnkc, Gottheil u. Sohn und B. Machtans in Dan^ig und F. Kergel in 2Joppot. Druck: Ottomar Steinbach/ Dantg. Die soppoter Waldoper Ein kleiner Führer für die Reichswichtige Festspielstätte Im amtlichen Auftrage herausgegeben von Fried rieh Albert /V1 e ye r 1. — IG OoO- VERLAG: 20PP0TER WALDOPER c4uchcv ocv ~ pefnpiele. Inhaltsverzeichnis Seite Zoppot, die Stadt und das Bad......3 Die Zoppoter Waldoper........4 Der Wald und Wagners Werk......7 Aus der Geschichte der Waldoper.....12 Die Festspielbühne.........20 Klangprobleme. Die Dirigenten — Parsifalglocken — Berühmte Sänger und Sängerinnen .... 22-28 Hermann Merz und seine Mitarbeiter .... 30 Die bauliche Ausgestaltung.......33 Das Verzeichnis der Aufführungen 3. Umschlagsseite ZOFPOT. Die Stadt und das Bad. Zoppot — der Name ist ein Begriff. Zoppot ist das schönste deutsche Weltbad an der Ostsee. Gäste aus allen Erdteilen weist seine Kurliste auf. Zoppot ist ein Sportplatz von internationalem Ruf. Meisterschaften der verschiedensten Art werden hier ausgetragen. Nicht zuletzt aber ist Zoppot in aller Welt bekannt geworden durch die Richard Wagner-Festspiele seiner Waldoper, der dieses Büchlein gewidmet ist. Zoppot ist eine Stadt von rund 30 000 Einwohnern. 1870 hatte das Dorf noch nicht 2000 Einwohner. Das Jahr 1870 aber brachte mit dem Bau der Bahn nach Stettin die Entdeckung des Seebades. Nun war der direkte Anschluß nach Berlin gegeben und die Entwicklung als Weltbad begann. Heute ist Zoppot ein europäischer Begriff für ein elegantes Weltbad. Mild ist das Klima in der Danziger Bucht. Die Wälder kommen tief bis an den Strand herunter und gehen dort in herrliche gepflegte Parkanlagen über. Breit und weiß und steinfrei ist der Strand. Rein und stark ist die Luft zwischen Wald und See. Angenehm sind die Unterkunftsmöglichkeiten in Zoppot. Der Dienst am Gast ist selbstverständliches Gesetz. Zoppot ist durch den Flugplatz Danzig-Langfuhr in das internationale Flugnetz eingeschaltet. Man erreicht Zoppot in Flugstunden: 1,55 von Berlin, 5,55 von Stockholm, 6,15 von Helsing-fors, 1,30 von Warschau, 7,15 von London, Der Eingang Zum Festspielpia 3 — 7,10 von Paris, 4,10 von Amsterdam, 5,20 von Brüssel, 6 von Budapest, 3,55 von Kopenhagen, 4 von Riga, 4,30 von Wien, 3,15 von Hamburg, 4.10 von Köln, 4,25 von München, 50 Minuten von Königsberg usw. Mit der Eisenbahn fährt man beispielsweise in Stunden: 7,10 von Berlin, je 18 von Amsterdam und Basel, 28,05 von Oslo, 22,40 von Stockholm, 6,45 von Warschau usw. Auf guten Autostraßen gelangt man nach Zoppot, außerdem natürlich auf dem Seeweg. Ein Einreisevisum verlangt die Freie Stadt Danzig, zu deren Staatsgebiet die Stadt Zoppot gehört, nicht. Dagegen ist ein polnisches Transitvisum erforderlich, wenn nicht-visumfreie Züge durch polnisches Gebiet benutzt werden. Notwendig ist es für Ausländer, sich über die Devisenbestimmungen zu erkundigen. Danzig hat als selbständiger Staat seine eigene Währung, den Danziger Gulden. Die Zoppoter Waldoper. Abseits vom Leben des Weltbades, vom Kurhaus in etwa 20 Minuten zu erreichen, liegt abgeschieden in der Stille eines herrlichen Waldes, auf der sogenannten Promkenhöhe, der Festspielplatz der Zoppoter Waldoper. Er ist „Gebiet des Grals", denn „Lohengrin" und ,,Parsifal" haben hier Zehntausende aus den Niederungen des Alltags emporgehoben in die Höhen deutscher Kunst. Max v. Schillings war so ergriffen von der ersten Parsifal-Auffiihrung im Der Parkpia, tj der Waldoper In dichten Scharen pilgern die Tausende Zur Waldoper Bis zu 20 000 Besucher finden Plat} Wald, die er als Dirigent in Zoppot leitete, daß er unter diesem Eindruck in das Gedenkbuch der Waldoper die Verse schrieb: „Die Bühne weitet sich zum All — ein Hauch des Ewigen war genaht". Den „Heiligen Berg" nennen die Künstler die Promkenhöhe, denn noch hat kein bedeutender Künstler auf dieser Waldbühne gesungen, ohne daß er bis aufs Tiefste erschüttert gewesen wäre von dem Erlebnis Wagners auf dem Naturtheater. Die Zoppoter Waldoper hatte eine Sendung für das deutsche Theater zu erfüllen. Die neuen Wege, die sie beschritt, schlössen den Hing zwischen der Kultstätte der Germanen und der deutschen Kultur unserer Tage. Sie führte aus der Enge der geschlossenen Bühne ins Freie, und nicht nur tatsächlich, sondern auch aus mancher Enge des deutschen Theaters. Sie befreite durch mutige Tat auch das Naturtheater von mancher Enge und wuchs über all diese Aufgaben hinaus zu einer deutschen Mission im Ostraum, als neue Grenzen nach dem Krieg in die Landkarte eingezeichnet wurden. Die Zoppoter Waldoper wurde ein kraftspendender Ausstrahlungspunkt höchster deutscher Kunst. Von 1924 bis 1937 einschließlich haben rund 400 000 Menschen die Festspiele im Zoppoter Walde besucht. Es ist schon ein Erlebnis, einmal den Zustrom der Tausende zu einer Festaufführung zu sehen. Wer über den Parkplatz der Autos und Wagen geht, vermag an den polizeilichen Kennzeichen abzulesen, daß nicht nur Danziger und Deutsche, sondern Gäste aus Polen und den baltischen Staaten im Auto nach Zoppot kamen. Hunderte von Ausländern aus England und den nordischen Ländern bringen die Seeschiffe. Flugzeug und Eisenbahn und Gefährte aller Art ergänzen Schiff und Kraftwagen. Wenn eine Kartothek der Besucher der Zoppoter Waldoper nach ihrer Nationalität geführt würde, wären Menschen aller Erdteile darin zu finden. Nicht nur in Europa, auch in Amerika und Japan sind begeisterte Berichte über die Zoppoter Waldoper in der Presse erschienen. Für viele Deutsche in den Nachbarstaaten bedeutet der Besuch der Zoppoter Waldoper den Höhepunkt des ganzen Jahres. Und man muß es mit eigenen Ohren gehört haben, welche Strapazen der Reise viele treue Anhänger der Blick von der Waldbühne auf Orchester und Zuschauerraum. Waldoperngemeinde Jahr für Jahr auf sich nehmen, um sich im Zoppoter Walde Seelenstärkung und künstlerische Erhebung zu holen. Der Richard Wagner-Weg, der von der Zoppoter Oberstadt zum Festspielplatz führt, gleicht an den Aufführungstagen einer Pilgerstraße. Hier sieht man die Greisin mit dem Enkel den Weg hinauf pilgern. Auf diesem Pilgerweg gibt es keinen Unterschied des Alters und des Standes. Alle sind erfüllt von weihevollem Erwarten. Schön ist der Blick vom Richard Wagner-Weg. Wer zurückschaut, sieht auf die See. Wer vorwärts schreitet, den nimmt der Wald auf, der „Heilige Wald". — 6 — Der Wald und Wagners Werk. „Der älteste Tempel der Germanen war der Wald", sagt Friedrich von der Leyen in seinem Deutschen Sagenbuch. Im Walde wohnen sie und fühlen sich in ihm geborgen. In ihm kämpfen sie um ihr Leben, und auf den Kultstätten in den heiligen Hainen werden die Entscheidungen für das Schicksal des Stammes und des Volkes getroffen. Verwachsen sind sie mit den Urkräften der Natur. Unerschrocken als tapfere Streiter, erschrecken sie vor dem Unwillen der Götter. Der Wald birgt sie in den unendlichen tiefen Wäldern, aber auch die Götter haben ihr Heiligtum in den Wäldern. Wotan jagt durch den Wald, wenn der Sturm die Bäume peitscht, Donar wirft seinen Hammer, wenn der Donner im Walde unheimlich grollt. Aus dem Mysterium des Waldes steigt der Mythos auf. Der Wald der Germanen ist eine Welt der Wunder, in ihm finden wir die Wurzeln der Kraft der Germanen. Wer erzählen will von den alten germanischen Recken, von ihrem Leben und ihrem Glauben, der muß hineingehen in dichte Wälder, damit sich ihm das Geheimnis des Blutes offenbart. In Richard Wagner war das Gesicht der altgermanischen Welt so groß, daß wir glauben könnten, die Vorsehung habe ihn nur dazu ausersehen, dem deutschen Volke den Weg in seine große heldische Vergangenheit zu bahnen. Innerlich sind die Deutschen dem Walde immer verbunden geblieben. In alten und neuen Sitten. Wenn sie vom Walde fortgingen, ging der Wald mit, daß sie seiner und seiner Wunder nicht ganz vergäßen. Die Dorf linde ist ein Kind der Gerichtslinde. Und wenn wir das Haus mit Maien schmücken, so ist es die Sehnsucht nach dem Frühling im Walde. Die Eiche, einst den Göttern geweiht, pflanzen wir noch immer zur Erinnerung an unsere großen Männer. Freilich anders sind die Wälder von heute. Sie lassen nur ahnen, was einst die Germanen in der tiefen Unendlichkeit ihrer Wälder empfanden. Weil in Richard Wagner das Gesicht der alten germanischen Welt so groß war, mußte sein Werk erfüllt sein von den mystischen Kräften der Natur, mußte dieses Werk im — 7 — Walde gründen, der Heimat der Germanen. Wie sein Siegfried, versteht Wagner die Sprache der Vögel im Walde und singt ihr Lied nach. Er selber wird ein-gesponnen von seinem Waldweben. Der Wald ist ein wichtiger Mitspieler in seinem Werk. Wagners Werk dem Walde selbst zu voller Entfaltung zu übergeben, bei gleichzeitiger Erfüllung höchster künstlerischer Voraussetzungen — das ist das wegweisende und unvergängliche Verdienst der Zop-poter Waldoper und ihres Lei- LohenSrin 1937/1938ZoPPoi . j . . , Sven Milsson aZs Köniq Heinrich ters, der sie zielbewußt zu einer Pflegestätte Richard Wagnerscher Kunst ausbaute, des Generalintendanten Hermann Merz. Professor Max v. Schillings, der ein bedeutender Wagner-Dirigent war und an der Seite von Hermann Merz entscheidend mitgearbeitet hat am Ausbau der Zop-poter Waldoper zur Wagner-Festspielstätte, ist einmal gefragt worden, was wohl Wagner selbst dazu gesagt hätte, wenn er die Aufführung seiner Werke in der Zoppoter Waldoper erlebt hätte. Er antwortete, wenn Wagners Werke auf der Zoppoter Waldbühne in einer Gestalt lebendig würden, wie sie dem Schöpfer nicht vorgeschwebt habe, so rechtfertige doch die mächtige Wirkung der Werke auf der Naturbühne, die Täuschung und Wirklichkeit wunderbar vermähle, die Aufführung vollauf. Ich selbst habe die gleiche Frage dem Begründer der Wagner-Festspiele, Hermann Merz, einmal vorgelegt. Der Generalintendant sagte mit Recht, daß es zu Wagners Zeiten noch keine Naturtheater gegeben habe, auf denen eine würdige Aufführung von Wagners Werken möglich gewesen wäre, so sei Wagner naturgemäß auf die Kunstbühne seiner Zeit eingestellt. Die Zoppoter Waldoper habe bei der Aufführung der Werke des Meisters neben den künstlerischen Faktoren und in den ihr besonders eigentümlichen technischen Einrichtungen die Natur selbst zur Mitarbeit herangezogen. Zoppot stelle im Gegensatz zu der ehrwürdigen Tradition von Bayreuth einen neuen Versuch dar, mit neuen Mitteln und auf neue Weise den Werken Wagners eine würdige Pflegestätte zu bereiten. Die zielbewußte Ausgestaltung der Waldoper zur Wagner-Festspielstätte begann Hermann Merz sofort mit der Uebernahme der künstlerischen Leitung im Jahre 1922. Die btirg in Lohen$rin im Lichtschein mit dem dunklen Wald im 'Hintergrund Tannhauser Z oppot 1933: Wolfram von Eschenbach (Herbert Janssen) und Elisabeth (Göta Ljungberg) Die langjährige Aufbauarbeit fand ihre verdiente Anerkennung und Krönung im Jubiläumsjahr 1934, in dem der Beauftragte des Führers in allen kulturellen Angelegenheiten, Reichsminister Dr. Goebbels, die Zoppoter Waldoper zur „Reichswichtigen Festspielstätte" erklärte. Seit 1922 einschließlich der Festspielzeit 1938 wurden die meisten großen Werke Wagners, soweit sie sich in den Rahmen der Naturbühne einfügen ließen, auf der Zoppoter Waldoper aufgeführt. Vom ersten Erfolgswerk Wagners, „Rienzi", das bisher 6mal (1935, 1936) gegeben wurde, bis zu des Meisters reifstem Werk „Parsifal", das 1928 zum ersten Male in Zoppot aufgeführt, 1936 und 1937 wiederholt wurde und insgesamt 11 Aufführungen erlebte. Die meisten Aufführungen von Einzelwerken hatte bisher „Lohengrin", der seit 1926 (1932, 1937, 1938) 14mal im Spielplan aufgeführt ist. Tannhäuser finden wir 8 mal (1925 und 1933), wobei eine unvollständige Aufführung im Jahre 1910 nicht mitgezählt wurde, und die Meistersinger von Nürnberg 10 mal (1929, 1934, 1935). 30mal insgesamt stehen die gewaltigen Werke des Rings im Spielplan und zwar im einzelnen; 2mal Rheingold (1938), 11 mal Walküre (1924, 1931, 1934 und 1938), 8 mal Siegfried (1922, 1931, 1938), und 9 mal Götterdämmerung (1927, 1931 und 1938), 79 mal sind auf der Zoppoter Waldoper Werke Richard Wagners aufgeführt worden, die Festkonzerte der Waldoper mit Wagnerschen Werken nicht mitgerechnet. Tannh'&user Zoppot 1933: Bacchanal /\us der Oescktckte der Waldoper. Die Zoppoter Waldoper wurde im Jahre 1909 begründet. Um diese Zeit herum wurden viele Freilichtbühnen in Deutschland ins Leben gerufen. In Zoppot soll es der frühere Landesversicherungssekretär Max Geppert gewesen sein, der zuerst auf die Eignung der Talmulde auf der Promkenhöhe für Freilichtspiele hingewiesen hat. Und in der Tat sprach noch im Jahre 1910 eine Danziger Zeitung von Geppert als dem „Urheber der Zoppoter Idee". Das hätte ein Jahr nach der Gründung der Zoppoter Waldoper nicht geschehen können, ohne in der Oeffentlichkeit Widerspruch hervorzurufen, hätte nicht Geppert einen geistigen Anteil an der Begründung der Zoppoter Waldoper gehabt. Er ist aber nicht als Gründer der Waldoper zu bezeichnen, denn was nützt die schönste Idee, findet sich nicht der mutige Mann, der sie in die Tat umsetzt? Dieser mutige Mann aber war der damalige Bürgermeister Max Woldmann, der gegen erhebliche Widerstände in der Zoppoter Stadtverordnetenversammlung die Idee durchsetzte. Mit Recht ist darum ihm, Max Woldmann, und dem ersten Spielleiter der Zoppoter Waldoper, Paul Walther-Schäffer, als Bahnbrechern der Wald-opernidee auf dem Festspielplatz ein Gedenkstein gesetzt. Freilichtbühnen wurden, wie gesagt, in jener Zeit in großer Zahl in deutschen Landen gegründet, der Gedanke der W a 1 d o p e r aber war neu. Die erste Aufführung war am Abend des 11. August 1909, das erste Werk, das zur Aufführung kam, Conradin Kreutzers romantische Oper „Das Nachtlager von Granada". Auf dem Theaterzettel wird diese Aufführung „Erstes Zoppoter Waldfestspiel" genannt, und die Bühne die „Naturbühne im Zoppoter Walde". Spielleiter war der damalige Oberregisseur am Danziger Stadttheater Paul Walther-Schäffer. Der Chor zählte damals schon 200 Personen. Es war eine reine Freilichtaufführung und sie dauerte von 7—9 Uhr abends. Rechts: Kammersänger Gotthelf Pistor als Parsif&l ip3/ — 12 — Blickt man zurück auf die Entwicklung der Waldoper seither, so sind deutlich sechs Abschnitte zu unterscheiden. Der erste reicht von 1909—1914 und ist als ein Abschnitt tastender Versuche zu bezeichnen. Romantische Oper, komische Oper u. Operette wechseln im Spielplan ab (Nachtlager v.Granada, Tannhäuser ohne den Sängerkrieg, das Goldene Kreuz, Lobetanz, Die ver-Parsifal Zoppot 1937. kaufte Braut, Sven Ntfsson a.ls Gurnemanz Hänsel lind Gre- tel, die Maienkönigin, Der Zigeunerbaron und der Freischütz). Der Weltkrieg unterbricht die Entwicklung und von 1915—1919 gibt es nur zweimal Aufführungen im Zoppoter Walde unter völliger Abkehrung von der Idee der Waldo per. Zur Aufführung gelangen „Jedermann" und Anzengrubers „Kreuzelschreiber". 1920 und 1921 erprobt man mit „Bajazzo" und „Fidelio" die große Oper. Nach Walther Schäffers Tode wird Hermann Merz die Leitung der Waldoper übertragen, und nun beginnt die Entwicklung, die ihren Weltruf begründete. Merz faßt den kühnen Entschluß, die Waldoper zur Richard-Wagner-Festspielstätte auszubauen. Heftiger Widerstand wird ihm von der zünftigen Kritik entgegengebracht. Er kämpft, überwindet und siegt. Hatte auch sein Vorgänger schon einzelne berühmte Gäste gewonnen, so blieb den Aufführungen im Zoppoter Walde doch der Charakter einer gewissen provinziellen Enge. Die berühmtesten Wagner-Dirigenten und -Sänger werden nun von Merz gewonnen, Kammermusiker herangezogen, und der Chor allmählich auf 500 Personen gebracht. Merz bricht mit den starren Grundsätzen seines Vorgängers, der die These vertrat, „Keine Gewaltsamkeiten gegen die Grundgesetze der Natur". Die Szenerie sollte feststehen und keinerlei Umwandlung erfahren. Merz stellte für die Waldoper ein neues Kunstgesetz auf, denn er sagte, der Grundsatz des Respekts vor der Natur darf nicht dazu führen, daß der Kunst Gewalt angetan wird. Wollte er Wagner auf der Naturbühne zur Geltung bringen, um all die mystischen Kräfte in seinen Werken zu lösen, Architektur motiv so konnte es nur geschehen des Gr*istemPeis 1936/3 durch Zusammenwirken von Kunst und Natur. Die Treue gegenüber dem Meister erforderte Beachtung seiner szenischen Vorschriften. Diese aber konnte kein Freilichttheater erfüllen, sondern nur eine Naturbühne mit neu zu schaffenden technischen Einrichtungen, die es ermöglichten, daß Kunst und Natur unmerklich ineinander übergingen. Das waren die Leitsätze beim Amtsantritt von Merz. Bis zur Gestaltung des heute feststehenden Zoppoter Parsifal Zoppot 1937 1. Aufzug Szenenbild aus Rienzi in den Aufführunsen der W&ldoper 1