OSTSEEBAD ZOPPOT STÄDTISCHE WMJX5PER 26. JULIu2. AUG.- 2& JULIU.4AUG.- 30 JULI u. 6. AUGUST PREIS 50 P HOT«»» WN Towarzystwo Frzyjacioi Sopuiu SÄLE HIST'JRII SOPOTU Ksiegozbior N 35 STÄDTISCHE WÄLDOPER ZOPPOT RICHARD WAGNER-FESTSPIELE 1931 DER RING DES NIBELUNGEN EIN BUHNENFESTSPIEL FÜR DREI TAGE VON RICHARD WAGNER RICHARD WAGNER AUFFUHRUNGSTAGE: SONNTAG, DEN 26. JULI........WALKÜRE DIENSTAG, DEN 28. JULI........SIEGFRIED DONNERSTAG, DEN 30. JULI . . GÖTTERDÄMMERUNG SONNTAG, DEN 2. AUGUST....... WALKÜRE DIENSTAG, DEN 4. AUGUST.......SIEGFRIED DONNERSTAG, DEN 6. AUGUST, GÖTTERDÄMMERUNG Towarzystwo Przyjacißl Sopotu SALE HISTORII SOPOTU PROF. DR. HANS PFITZNER dirigiert am 26., 28. und 30. Juli. DAS BEGLÜCKENDE ERLEBNIS. VON WILLIBALD OMANKOWSKI. Das meiste von dem, was wir leichtfertig und verschwenderisch ein Erlebnis nennen, ist gar kein Erlebnis, sondern nur eine Begegnung, und wer einmal in einer guten und stillen Stunde prüfend rückwärts schaute und gar eine weite Strecke rückwärts schaute, der mußte einigermaßen verlegen und erschrocken und traurig erkennen, wie wenig von dem, was er stolz den Besitz seines Herzens nannte, bei ihm blieb und die Treue hielt. Und noch mit dem echten, wahrhaften Erlebnis ist es nicht so wie die 3 PROF. DR. MAX v. SCHILLINGS dirigiert am 2., 4. und 6. August. meisten meinen, daß die Bereitwilligkeit der Seele den Ausschlag gibt für dauernden Besitz, auch nicht ihre Tiefe und ihre Gläubigkeit allein, man muß das Erfahrene auch forttun können und so gut forttun, daß man es kaum noch wiederzufinden glaubt. Doch, wenn es dann da ist zu seiner Zeit, gleich, ob es nun geweckt wurde oder ungerufen auferstand in der Mitte des Herzens, und wenn es dann noch die Kraft der Verlockung und der Verführung besaß wie ehedem, erst dann wissen wir, daß das ein echtes Erlebnis gewesen ist und dürfen hoffen, das es aufgegangen ist in uns und Wurzel geschlagen hat und Frucht tragen wird dereinst. T Ein solches Erlebnis ist für mich gleich die erste der Wäldopern in Zoppot gewesen, und es war nicht bloß das Musikalisch-Künstlerische, das mich damals bezauberte, es waren auch die Dinge drum und dran, die Menschen, die dort zum Werke zusammenhockten vorher und nachher, die Pläne schmiedeten, Entschlüsse faßten, umwarfen, neue faßten, die bis in den Morgen hinein Rat hielten, wie ein Bild zu richten war, ein Licht zu werfen, welche Sänger geholt werden sollten; und war eine große Sorge 4 HERMANN MERZ führt die gesamte Regie. beseitigt, so kam eine neue, noch größere, und war auch die geschwunden, dann stand im Hintergrunde immer noch die größte: die Angst um das Wetter. Bis die große Stunde kam. Bis die Tausende hinaufpilgerten in den gewaltigen Theatersaal des Buchenwaldes, um nichts zu tun, als zu schenken und beschenkt zu werden, und alle verband das gemeinsame Erleben, die gemeinsame Arbeit, und jeder empfand sich als wichtig und notwendig und verantwortlich für das Ganze und sein Gelingen So war das damals in den Anfängen. Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, denn es liegen ja zwei Jahrzehnte dazwischen, und es waren gewiß keine guten Jahrzehnte, sondern solche, die bittere und gramvolle Dinge umschließen, und die lassen ihre bitteren und gramvollen Spuren zurück . . . Aber es hat sich immer wieder, Jahr um Jahr gezeigt, daß der Zauber nicht gewichen ist, daß er dieses Stückchen Erde dort oben über der See noch immer einhüllt und ihm sein Stigma gibt. Denn es ist nicht nur mir allein so gegangen, daß eine Melodie, 5 ein Lied, ein Wort, ein Bild, alles das plötzlich heraufbeschwor und wieder lebendig werden ließ, was man an unvergänglichen Sommerabenden hier oben erlebte, daß wie auf einen geheimen Befehl der Seele die Truhe der Erinnerungen sich öffnete und längst totgeglaubte Kostbarkeiten hergab. Es gibt auch Gegner der Waldoper. Es sind darunter sogar ernsthafte Menschen, die etwas wissen und können, die viel gelernt, gesehen, gehört, erfahren haben. Ich hörte oft ihre Argumente und konnte ihnen nicht immer Unrecht geben. Aber so streng und unerbitterlich sie auch ihre Forderungen vertraten, darin mußten sie mir ausnahmelos beipflichten, daß jede der bisherigen Aufführungen eine Reihe so machtvoller Höhepunkte gebracht hatte, wie sie im geschlossenen Theater auch unter den besten Voraussetzungen nie erreicht werden konnten, daß es an diesen Abenden Momente gab, die überwältigteu und stumm machten. DANZIG, Zeughaus-Passage ZOPPOT, Seestraße Nr. 33 6 Ach, wir haben uns schon viel zu lange aufgeblasen mit unserer „neuen Zeit" und ihrer neuen Sachlichkeit und sie gepriesen als die Erlöserin von Sentimentalität und romantischer Träumerei; aber was ist denn herausgekommen dabei, welche inneren Bereicherungen hat uns denn dieses von Grund aus mißverstandene und nun gründlich mißratene Kind des Maschinenzeitalters gebracht? Leer und arm gemacht hat sie uns, diese kalt-glühende Denkspielerei, und da die Gesunden und die Besonnenen erkannten, daß nichts mehr lebte und blutete, als sie dagegen aufstanden, sich gänzlich in der Seele ausplündern zu lassen und sie zurückholten in ihr Dasein, die Schutzgöttin deutscher Seele, die Romantik, da zeigte es sich, welche unerhörte Macht sie war: in Scharen kehrten die Massen des Volkes reumütig zurück. Wenn irgendwo die Kraft deutscher Romantik sich bewährte, so war es hier bei der Zoppoter Waldoper, da Natur und Kunst sich zu einer Macht verbanden, die keine noch so gewichtigt aufgemachte Gehirnakrobatik zu verdrängen vermag. Und darum wird die Waldoper auch zuvorderst Besitz jener bleiben, die ihr Herz noch den einfachen und großen und herrlichen Dingen öffnen können, die noch die Fähikeit besitzen, das Atmosphärische voll auf sich wirken zu lassen, diese Luft zu trinken aus Geheimnis und Festlichkeit und Spannung und Freude und buntestem Bewegtsein. JUpina. DAS ICE NNWORT GUTER UHREN Uhren ® Juwelen Gold- und Silberwaren Bestecke und Sportpreise Eugen Wegner DANXIG, Große Wollwebergasse 22/23 LANGFUHR, Hauptstraße 28 Besteingerichtete Werkstätten für Uhren und Goldreparaturen 7 Vor zehnJahren schrieb ich in den„OstdeutschenMonatsheften": „Aber in unserem Stück entrechteter und vergewaltigter deutscher Heimat ist diese Waldoper berufen, mehr zu sein als ein Ort, wo beste Kunst gepflegt wird, sie soll eine Vereinigungsstätte sein für alle, die den Glauben an die deutsche Zukunft rein und stark erhalten wollen und Schwertbruderschaft im Geiste zur Zeit untergehender Werte. Sie soll eine Stätte sein der Beglückung und Erhebung, aber auch des Bekenntnisses zu deutscher Art, zu jener wahrhaften deutschen Art, die nicht mit dem Säbel rasselt und von Haß und Vergeltung träumt, sondern die sich durch die Leistung adelt und den Gegner schweigen macht". Dieses früher Gesagte hat auch heute noch volle Geltung. Wir wollen doch ehrlich sein: waren wir nicht stolz, wenn in den Jahren nach dem Kriege die Polen und Russen, die Engländer und Franzosen und die übrigen Ausländer vor der Zoppoter Waldbühne saßen und, ob sie oft kein deutsches Wort verstanden, ihr vielleicht noch immer geharnischtes Herz nicht mehr verschließen konnten vor den deutschen Tönen, vor dem deutschen Können, vor der deutschen Kunst, und wir dann als die Sieger hervorgingen aus einer so ehrenvollen Schlacht! Denn noch zu allen Zeiten waren es die besten Deutschen, die die fremden Völker hinüberzwangen durch die Waffen des Geistes. Wir dürfen gewiß sein, daß alle jene, die wir „Fremde" nennen, fortgegangen sind vom Zoppoter Waldopernplatz mit ihrem Erlebnis, mit dem vielleicht nicht immer eingestanden aber für sie doch leise beschämenden Gefühl, daß sie mit ihrem gewonnenen Kriege und ihren uns aufgezwungenen Reparationen, mit ihren gefüllten Geldbeuteln und Bäuchen so etwas nicht oder doch höchstens in einzelnen Fällen zustande bringen, und daß ein ganz winziges, vom Mutterlande losgerissenes Stück deutscher Erde sich in dieser Weise bekennt und für seine Art zeugt. Und darum ist es bei dieser Waldoper auch nicht so wichtig, festzustellen und festzuhalten, ob dieses oder jenes kunstaesthetisch auf das Milligramm abgewogen blieb, wenn nur die Wirkung da ist, -Apparate u. 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Lehmann l Danzig, Jopengasse 31-32 Gegründet 1858 ^ 10 wenn — und seien es selbst nur Momente — diese Momente so stark sind, daß sie wirklich nach innen gehen, dort Besitz ergreifen und zum Erlebnis werden. Haben wir erst einmal erkannt, welche immens schöpferische Kraftquelle das beglückende Erlebnis ist, dann werden wir auch mühelos den Weg finden zu Freude und Schönheit und wir werden entdecken, daß sie garnicht so schwer zu haben sind, wie es die Zersetzungsfanatiker predigen; freilich wird das nicht erreicht durch Preisgeben sondern durch Hingeben, durch jenes unbedingte Hingeben an eine Sache, die das Kind so spielend siegen läßt. „Es ist wichtiger", sagt der Dichter Fred Hildenbrandt, „jetzt und weiter hinein in die kalte Zeit, die Augen zu schließen vor dem Dreck, als den Untergang zu besingen, es ist notwendiger für dieses erstarrende Geschlecht, sentimental zu sein, als mit dem Gehirn zu prahlen, und fruchtbarer als das Wissen ist in diesem Augenblick die feuchte Farbe einer Blume, das Streicheln einer Katze im Hauseingang, der Geruch des Waldes, der kleine Jubelschrei eines Kindes, die grüne, kühle Weite des Meeres, das starke dunkle Blau des Abends über den Häusern, bevor man schlafen geht". ] Möbel [ billig und gut kauft man stets be Fingerhut II ; Auf Wunsch Zablungserleiehterung! Kostenfreie Lieferung im ganzen Fre Milchkannengasse 16 istaat! 30 Jahre am Platze 11 DIE MUSIK ZUR RINGTRILOGIE. VON HUGO SOCNIK. Oberblicken wir das Gesamtwerk Richard Wagners, so überzeugt uns nicht minder als die vollendete innere Einheitlichkeit, die alle Werke miteinander verknüpft erscheinen läßt, zugleich auch die Wandlungsfähigkeit des Ausdrucksvermögens, durch die jedes Werk in überaus charakteristischer Weise gegen das andere ganz wesentlich verschieden wirkt. Daß es sich dabei nicht etwa vorwiegend um eine Folge des allmählich immer geklärteren künstlerischen Wollens und einer von Werk zu Werk gesteigerten Virtuosität des Könnens handelt, sondern daß in jedem Falle eine ganz und gar eigentümliche völlige Durchdringung von Musik und Dichtung gegeben ist, ist das Entscheidende. Bach und Händel übernehmen unbedenklich zu anderen Zwecken bereits komponierte Musik gelegentlich zu neuen Texten, und auch bei Mozart noch können wir uns ganz gut vorstellen, daß einzelne Teile einer seiner Opern in eine andere gestellt werden, ohne dort als störend empfunden zu werden. Bei Wagner muß so etwas als undenkbar gelten, da tatsächlich jedes Werk in einem solchen Maße eine individuelle Einheit bildet, daß ein Versuch selbst dann scheitern müßte, wäre er überhaupt praktisch möglich. Was ihn technisch hindert, ist ja natürlich fast immer die leitmotivische Verknüpfung. Immerhin gibt es doch Möglichkeiten, aus der Gegenüberstellung einander sehr ähnlicher Momente mit größerer Sicherheit zu erkennen, worin denn eigentlich im tieferen Grunde eine solche Unvereinbarkeit gegeben ist. Man denke etwa an die Seemannslieder, die den „Fliegenden Holländer" und „Tristan und Isolde" einleiten. Zu den künstlerischen Mitteln, mit denen Wagner jedem seiner Werke musikalisch gewissermaßen einen eigenen Stil gewinnt, gehört aber vor allem der Wandel des Klangkolorits. Gewiß, auch vorher schon finden wir die charakteristische Anwendung bestimmter Klangkombinationen der Orchesterbesetzung dem dramatischen INTERNATIONAL SPORTI NO-CLUB in kasino -hotel Die neue Attraktion vom Kasino Zoppot Roulette ♦ Baccara KASINO ZOPPOT (Staatl. konzessioniert) Das ganze Jahr geöffnet Roulette ♦ Daccara KASINO HOTEL ZOPPOT Unpergleidilidier Aufenthalt in den neuen Restaurant- und Pesträumen Täglich Nachmittags Tee- und Ahendtonz Gesellsdiaftlidie Leitung undTanzuorführung: "ABRIANT WALTER CARLOS UND FRAU spielt! Erster Deutscher Rundfunktanzlehrer, Berlin 13 Ausdruck dienstbar gemacht, aber erst bei Wagner ist innerhalb eines Werkes ein Eigenkolorit wirklich durchgeführt. Das hat sich im Verlauf seines Schaffens immer deutlicher ausgeprägt, und wie es bei „Tristan*4, den „Meistersingern" und dem „Ring", dem insbesondere die düster feierlichen Tuben und überhaupt die tiefen Instrumente den besonderen Klangcharakter geben, durch die Heranziehung bestimmter Instrumentengruppen bewirkt ist, erreicht es der Meister schließlich im „Parsifal" schon allein durch die Art, wie er die Holzbläser verwendet. Dies zu erwähnen, mag umso mehr angebracht erscheinen, als wir, und zwar lediglich im Gegensatz zur Orchesterbesetzung der Klassiker, im allgemeinen vom „Wagner-Orchester" zu sprechen pflegen, damit aber nicht selten wohl zu dem Mißverständnis Anlaß geben, als handle es sich um eine durchaus einheitlich gleichbleibende Art der Orchesterverwendung. Dies ist in keiner Weise der Fall, und wenn Wagner auch mit höchster Kraft der Phantasie dem vollen Orchester an Plastik und Glanz nie zuvor erreichte und mindestens hinsichtlich der klaren Leuchtkraft eigentlich auch nicht mehr überbotene Wirkungen abgewonnen hat, so gibt gerade die Musik zur „Ringtrilogie" ganz wundervolle Beispiele, auch seine einzigartige Kunst in der Vermeidung alles Überflüssigen und der klanglichen Ökonomie zu erkennen. Wie in der Dichtung des „Ringes der Nibelungen" der heroische Stoff der alten deutschen Sage durch Wagner die Bedeutung einer mythischen Gestaltung des großen Erlebnisses der Natur gewonnen hat, deren Elemente, Feuer, Wasser, Luft und Erde, deren grausame Wildheit und erhebende Schönheit in den Göttern und Menschen personifiziert, in gedanklichem Tiefsinn, leidenschaftlichem Empfinden und überwindender Liebe in Vernichtung und Erlösung auf die Ebene des Geistigen und Seelischen übertragen erscheint, so zieht sich auch durch die Musik von den Urklängen nächtlicher Stille in den Tiefen des Rheines, mit dem das Vorspiel „Rheingold" beginnt, bis zum Ausklang der „Götter- Im Roten Saal spielt täglich abends zum Gesellschaftstanz Kapelle Hans Kaemmler KURHAUS ZOPPOT Steffie-Koschnick spielen jeden Abend im 14 dämmerung" das Grundthema der Naturstimmungen. Und auch da ist es immer eine Gestaltung des Naturerlebnisses, am ergreifendsten vielleicht im „Waldweben" des „Siegfried"-Teiles, wo das Heroische mit dem Menschlichen und der im Waldvogel schließlich selbst Sprache annehmenden Natur so wundersam verschmolzen ist. Gestaltung des Naturerlebnisses, nicht äußerliche Klangmalerei, auch da, wo, wie im „Feuerzauber", die Gefahr eines Abgleitens in das Illustrierende gewiß nahe genug gelegen hat. Das Kunstmittel, mit dem Wagner die Musik des ganzen gewaltigen Werkes so durchwirkt, daß unbeschadet der Gliederung in Vorspiel und drei Hauptwerke immer der innere Zusammenhang erreicht wird, ist die Anwendung von „Leitmotiven". Die leitmotivische Arbeit, über deren Sinn und Einzelheiten hier hinweggegangen sei, da sie den heutigen Besuchern der Aufführungen bekannt sein dürften, auch in den für Einzelheiten ja doch leicht mit heranzuziehenden erläuternden Führern zu dem Werk ausführlich behandelt sind, ist in der Ringtrilogie mit letzter Konsequenz durchgeführt, sodaß insbesondere die „Götterdämmerung" musikalisch den Charakter einer Art von symphonischer Krönung des ganzen Werkes gewonnen hat. Andererseits wäre es jedoch auch eine Verkennung der Gestaltungskunst Wagners, wollte der Hörer sich auf ein Verfolgen der Leitmotive und ein im übrigen rein stimmungsmäßiges Erfassen der Musik allein beschränken. Dadurch würde in unangemessener Weise jenem Mißverständnis Vorschub geleistet werden, aus dem heraus gegen die Musik des Meister seine Zeitlang sogar das Vorurteil entstanden ist, sie beruhe doch zu einem nicht unerheblichen Teil auf mehr verstandesmäßiger, ja sogar die Grenze der Deutlichkeitspedanterie streifender Konstruktion. Die große Genialität der schöpferischen Gestaltung in Wilhelm Dodthe, Zoppot Danziger Straße Nr. 3 — Seestraße Nr. 36 — Markt Nr. 2 Telefon Nr. 51038 Feinste Pleisch= und Äufschnittwaren in nur porzüglicher Qualität, son?ie Wurstfabrikation nach Pommersdier und Thüringer Art 15 der Musik Wagners ist von den wirklichen Kennern des Wagner-schen Kunstschatzes jedoch nie unterschätzt worden. Dennoch hat es lange an einer wirklichen Klarheit gefehlt. Sie uns mit letzter Gewißheit gegeben zu haben, ist das Verdienst von Alfred Lorenz, der in dem 1924 erschienen 1. Bande seines Werkes „Das Geheimnis der Form bei Richard Wagner", die Gestaltung der Musik zur Ringtrilogie in aller Ausführlichkeit klargelegt hat. Ohne auf die Einzelheiten eingehen zu können — es ist in Kürze unmöglich — sei aber als erster Hinweis für die Hörer wenigstens gesagt, daß die Musik zur Ringtrilogie als eine Verknüpfung von verhältnismäßig wenigen, großen in sich zusammenhängenden Musikstücken, die sich über die einzelnen Szenen und darüber hinaus über halbe, ja ganze Akte erstrecken, verstanden sein will. „Keineswegs hat man", um Lorenz selbst das Wort zu geben, „sich das Musikdrama so vorzustellen, als ob deklamierte und ariose Stellen und geschlossene Formen neben- oder aneinander gereiht, oder als ob gar „nummer"- artige Höhepunkte, die nur die Kunst des Wagnerschen Übergangs unkenntlich gemacht hätte, durch eingeschobene Rezitative verbunden wären. Noch weniger läßt sich die älteste, durchaus noch nicht ausgestorbene Anschauung vom Musikdrama aufrecht erhalten, als sei alles nur regelloses dionysisches Chaos, in dem die Musik einen schrankenlosen dra-- matischenVorgang durch Ertönenlassen der sinnvoll dazu gehörigen „Leitmotive" begleite. Wohl herrscht zwischen beiden Abbildern (dem Drama und der Musik) wunderbare Übereinstimmung in dieser Beziehung, aber nicht, weil die musikalischen Themen einfach auf die dramatischen Motive oder gar auf die Worte aufgeklebt sind, sondern weil der dramatische Aufbau selbst musikalische Form hat. In der Musik hat man das Drama zu suchen, nicht in der Dichtung. Letztere gibt nicht das ganze Drama, da sie die Gemütsbewegungen beim Schweigen, die ebenso wichtig sind, wie die gesprochenen Worte nicht ausdrückt. In der Musik aber, die ununterbrochen fortläuft und alles, auch das den Worten Die Ökonomie auf dem Festspielplai? führt aus das gutbürgerliche Reftaurant Karl Knie Danziger Strafe Nr. 57 — Telefon Nr. 51414 16 STÄDTISCHE WÄLDOPER ZOPPOT RICHARD WAGNER-FESTSPIELE 1931 DER RING DES NIBELUNGEN EIN BUHNENFESTSPIEL FÜR DREI TAGE VON RICHARD WAGNER AUFF11HRUNGSTAGE SONNTAG, DEN 26. JULI . DIENSTAG, DEN 28. JULI . DONNERSTAG, DEN 30. JULI SONNTAG, DEN 2. AUGUST DIENSTAG, DEN 4. AUGUST .....WALKÜRE .....SIEGFRIED GÖTTERDÄMMERUNG .....WALKÜRE .....SIEGFRIED DONNERSTAG, D UST, GÖTTERDÄMMERUNG RICHARD WAGNER Dritter Tag aus der Trilogie am 30. Juli und 6. August Götterdämmerung in sechs Bildern von Richard Wagner Dirigenten: Prof. Dr. Hans Pfitzner Prof. Dr. Max v. Schillings (dirigiert am 30. Juli) (dirigiert am 6. August) Regie: Oberregisseur Hermann Merz Gestalten: Karl Hartmann, Städtische Oper Berlin, singt am 30. Juli Kammersänger Fritz Soot, Staatsoper Berlin, singt am 6. August Walter Großmann, Staatsoper Berlin, singt am 30. Juli Kammersänger Max Roth, Staatsoper Berlin, singt am 6. August Kammersänger Emanuel List, Staatsoper Berlin, singt am 30. Juli Kammersänger Karl Braun, Staatsoper Berlin, singt am 6. August Adolph Schöpflin, Staatsoper Karlsruhe, singt am 30. Juli und 6. August Kammersängerin Gertrud Bindernagel, Staatsoper Berlin, singt am 30. Juli Göta Ljungberg, Metropolitan Opera New York, singt am 6. August Elisabeth Friedrich, Staatsoper Berlin singt am 30. Juli Maria Hussa, Städtische Oper Hamburg singt am 6. August Kammersängerin Margarete Arndt-Ober, Staatsoper Berlin, singt am 30. Juli u. 6jAugust Margarete Arndt-Ober, Staatsoper Berlin Elfriede Haberkorn, Staatsoper Karlsruhe Mary Dierks, Berlin Gertrud Geyersbach, Berlin Elf riede Haberkorn, Staatsoper Karlsruhe Margarete Arndt-Ober, Staatsoper Berlin Fredy Busch, Stadttheater Danzig Richard Ludewigs, Staatsoper Schwerin Eugen Albert, Stadttheater Danzig . 15 Minuten , 10 Minuten Ende nach 23 Uhr Siegfried: Gunther: Hagen: Alberich : Brünnhilde: Gutrune: Waltraute: 1. Norn: 2. Norn: 3. Norn: 1. Rheintochter: 2. Rheintochter: 3. Rheintochter: 1. Solomanne: 2. Solomanne: 3. Solomanne: singen an beiden Abenden Pausen nach dem dritten Bild . nach dem vierten Bild Anfang 19 Uhr 18 Orchester: Berliner Sinfonie Orchester (Blüthner-Orchester). Wagner-Tuben-Quartett der Berliner Philharmonie. Danziger Stadttheater-Orchester. Insgesamt 110 Künstler. Erster Konzertmeister: Georg Kniestädt, Staatskapelle Berlin. e Bühnenbild: Entwürfe: Hermann und Etta Merz. Bauliche Ausgestaltung: Architekt Willy Hoffmann. Chor: 400 Mitwirkende, zusammengesetzt aus Mitgliedern des Zoppoter Männergesangvereins, des Danziger Lehrergesangvereins und Damen und Herren aus Zoppot und Danzig. Chorführ|erinnen: Gertrud Woldmann, Irene Jelski, Danzig. Chorführer1: Artur Schwarz,"Emil jSchüler, Stadttheater Danzig. Chorleiter: A. Zelasny. Beleuchtung: Elektrizitätswerk Zoppot (Direktor Henze). Beleuchtungsinspektor Zöllner, Eschner und 8 Gehilfen, Musikalische Bühnenassistenz: Kapellmeister E. G. Lessing, Stadttheater Danzig. Kapellmeister Wallenberg, Stadttheater Schwerin. Inspektion: Bühnenassistent Robert Halbe, Staatsoper München. Opernsänger G. Härder, Danzig. Opernsänger Kurt Eichmann, Landestheater Altenburg. Opernsänger Herrmann, Danzig. Malerische Arbeiten: Theatermaler Walter Loch, Stadttheater Danzig. Requisiten: Städt. Theatermeister Lenz. Bühnenwerkmeister: Heinrich Joujan. 19 Preise der Plätze: 1. Platz (Reihe 1—6) . 1. Platz (Reihe 7—13) 2. Platz (Reihe 1—7) . 2. Platz (Reihe 8—18) 3. Platz (Reihe 1—5) . 3. Platz (Reihe 6—18) 4. Platz (Reihe 1—13) . 15.— G. . 12.— G. . 12.— G. . 10.— G. . 10.— G. . 8.— G. . 8.— G. . 5.— G. . 3.— G. 4. Platz (von Reihe 14 an) Stehplatz........ Die Vorverkaufsgebühr beträgt für den 1. Platz 50 P., für den 2. Platz 40 P., für den 3. Platz 30 P, für den 4. Platz 20 P., für den Stehplatz 10 P. Bei etwaiger Rückzahlung wird die Vorverkaufsgebühr nicht erstattet. Im übrigen siehe Text der Eintrittskarte. Vorverkauf in Zoppot: Von 8 Uhr bis 19 Uhr ununterbrochen in C. Ziemssens Buchhandlung, R. Kiesslich, Am Markt 12 (Telefon 512 25). Vorverkauf in Langfuhr: Von 8 Uhr bis 18 Uhr ununterbrochen. Buchhandlung Paul Fiebig, Hauptstraße 13 (Telefon 42079). Von 8 Uhr bis 18 Uhr ununterbrochen. Hermann Lau, Musikalienhandlung, Langgasse 71 (Telefon 23420). An den Aufführungstagen wird der Vorverkauf für den betreffenden Tag in Danzig und Langfuhr 13 Uhr, in Zoppot bei Kiesslich 17 Uhr geschlossen. Abendkasse: Von 18 Uhr an vor dem Festplatz. Der Festplatz wird um 18 Uhr geöffnet. Absage einer Vorstellung siehe Text der Eintrittskarte. Das Rauchen auf dem Festplatz ist strengstens verboten! Vorverkauf in Danaig: 20 Unerreichbare aussprechen kann, zeigt sich der lückenlose Ablauf des inneren Dramas". Dessen Strebungen sind ja genau dasselbe, wie die musikalischen Spannungen. Dieses Erfassen der Ringtrilogie von der Musik her gewinnt aber für jeden Hörer seine größte Bedeutung gerade bei den Szenen, die wie etwa gleich im ersten Teil, der „Walküre", die Szenen zwischen Wotan und Brünhilde, oder Siegmund und Brünhilde, von der Handlung her betrachtet immer als undramatisch empfunden werden, in Wirklichkeit jedoch für das eigentlich musikalische Drama von allergrößter innerer Bedeutung sind. macht* wie & BaUif Schokoladen Konfekte 21 DER „RING DES NIBELUNGEN" IM SPIEGEL WAGNER'SCHER SCHRIFTEN. GEDANKEN ZU DEN ZOPPOTER WALDFESTSPIELEN VON DR. WALTHER TAUBE. Neben der ewigen Wahrheit des Christentums gehören im Bereiche deutsch-germanischer Meisterwerke Goethes „Faust", Ibsen's „Peer Gynt" und Richard Wagner's „Ring des Nibelungen" unbestritten zu den gewaltigsten Weltanschauungs-Dichtungen der Vergangenheit. Zeitlos, quellfrisch und weltumspannend werden sie die Jahrhunderte überragen. Durch die Waldoper-Festspiele ehrt die Stadt Zoppot deutsche Vergangenheit, wehrt undeutsche Überfremdung und nährt Zukünftiges durch die Pflege der „heil'gen deutschen Kunst". Fern vom „bunten" Weltbadgetriebe mit so vielem innerlich und „äußerlich" Unechtem, umhegt von wonnigen Bergwäldern, in deren Wipfelrauschen Gott seit Jahrtausenden zu uns Menschen spricht, liegt die Weihestätte, deren Sprache alljährlich Tausende in den Bann deutscher Kunst schlägt . . . . . . „Walküre" — „Siegfried" — „Götterdämmerung" . . . ein Dreiklang tragischer Götter- und Menschennot, Heldenkampfes und Erlösung aus aller irdischen Gebundenheit. Hochgebirgs-einsamkeiten, Urwälder aus germanischer Vorzeit, Königshallen, Gewittersturm, des Rheines flutende Wasser . . . welch ein umspannender landschaftlicher Rahmen! Der lebendige stabgereimte Vers und die göttliche Musik, in der Schicksal, Drama und Landschaft ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 1 Hotel " ' , ' ♦ Zoppot Besitzer Werminghoff Telefon-Sammelnummer 51655 ♦ Familien-Hotel I. Ranges Sämtliche Zimmer mit fließendem Wasser und Posttelefon Das führende Wein- und Bierrestaurant In gleicher Bewirtschaftung „STOLZENFELS" Kalte und warme Speisen zu jeder'Tageszeit <>♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ 22 3429 zu einer Einheit und Harmonie verschmelzen, die „erlebt" werden muß und der keine noch so liebevolle ,,Beschreibung" mehr gerecht werden kann . . . Die Waldoper, in der Kunst und Natur vermählt sind, vermag uns mitunter letzte Tiefen ahnen und des Urdabronnens Quelle fühlen lassen. In solchem Gnaden-Erleben scheint mir der tiefste Genuß der Waldfestspiele zu liegen. Neben allem künstlerischem, sittlichem und weltanschaulichem Erfaßtwerden ist der „Ring" zugleich ein Pfingsten des deutschen Geistes! — In Zoppot, das man in den Wagner-Festspielzeiten das „nordische Bayreuth" nennen könnte, werden Tausende aus verschiedenen Ländern allsommerlich immer wieder in den Bann der Waldoper gezogen. Wie ist das möglich? Electrola - Grammophon Apparate Koffer Schafften Schranke Pfaffen Opern Opereffen Tänze efc. Telefon 23337 Musikhaus Kohlenmarkt 10 23 Es ist „echte Kunst", die das vermag. Was aber ist „echte Kunst"? — Ein letztes aus den Tiefen eines Volkstums quellendes Schaffen! — Alle Erfahrung lehrt, daß es eine sog. „internationale" Kunst nicht gibt, daß die Ansicht: „l'art pour l'art" nur in ganz bestimmter Bedingtheit richtig ist. Echte Kunst kann nur aus dem Boden eines Volkstums erblühen, hat zunächst nur „völkische" Bedeutung und erst dadurch „internationale" — das Fremdwort absichtlich gebraucht! — wie beispielsweise Bayreuth, das Gäste aus aller Herren Länder auf dem Festspielhügel vereinigt! Doch damit ist das Wesen „echter" Kunst nicht erschöpft. Echte Kunst, die „begeistern" soll, muß aus dem — heiligen!— Geiste geschaffen sein, Herzenssache bedeuten! Noch mehr: sie muß durch das Leid geadelt sein! Der größte Lehrer der Menschheit lehrte und lebte es: „Leben" erblüht nur aus Opfern. Die Blüte stirbt, damit die Frucht werde und so fließt der Opferstrom durch die Jahrtausende . . . Auch der „Ring" ist in Lebens- und Herzensnot geschmiedet worden und dem deutschen Volke, ja der Welt als Opfer geschenkt. So mag es gerechtfertigt sein, einmal „zu den Müttern" hinabzusteigen und auf Grund der Quellen, vor allem Wagner's Briefen, einige Äußerungen des Meisters zu neuem Leben zu erwecken. — * Der heiligen Dreizahl folgend ergibt sich die Sichtung des Stoffes ganz natürlich. Wir folgen der Reihe der Festspiele und nennen die Quellen im jeweiligen Zusammenhang. 1. DIE WALKÜRE. Die Keimzelle der Nibelungentrilogie war ein Drama: „Siegfrieds Tod", 1848 entworfen, wie Wagner 1851 des näheren in Curt Gensch, Buchhandlung Telefon 51375 ZOPPOT Seestrafce 29 Moderne Leihbibliothek unterhält ein großes Lager aus allen Zweigen der Literatur,- nicht am Lager befindliches wird schnellstens besorgt 24 einem Briefe an Liszt ausführte. Der Plan wird dann auf drei Dramen erweitert: die „Walküre" (der Ton liegt auf der ersten Silbe!); der „junge Siegfried" und „Siegfrieds Tod". „Um alles vollständig zu geben", fährt der Meister fort, „muß diesen drei Dramen aber noch ein großes Vorspiel vorangehen: Der Raub des Rheingoldes. Es hat zum Gegenstand die vollständige Darstellung alles dessen, was in bezug auf diesen Raub, die Entstehung des Nibelungenhortes, dessen Entführung durch Wotan, und den Fluch Alberichs im jungen Siegfried erzählungsweise vorkommt, —" Zur Dichtung der „Walküre" bemerkt Wagner: „Wie ich meinen großen Plan von hinten an auszuführen begonnen hatte, fuhr ich nun auch in dieser Richtung mich erhaltend, nach dem Anfange vordringend, fort, so daß ich nun, . . . das erste der Hauptstücke, die „Walküre", zunächst ausarbeitete . . . u. s. w." (Mein Leben II. 571.). — An Theodor Uhlig schreibt er aus Zürich (31. Mai 52.): „Jetzt habe ich auch den vollständigen Entwurf zur „Walküre" fertig; morgen geht's an die Verse. Ich bin wieder mehr wie je ergriffen von der umfassenden Großartigkeit und Schönheit meines Stoffes; meine ganze Weltanschauung hat in ihm ihren vollendetsten künstlerischen Ausdruck gefunden ..." — An Frz. Liszt berichtet er aus Zürich (16. 6.) . . . „noch vor Ende Sommers hoffe ich, Dir die ganze Dichtung derTetralogie vorlegen zu können . . — Bei „sehr strenger Diät" arbeitet er unermüdlich, „spinnt sich wie ein Seidenwurm ein" (a. a* O.) und „fühlt sich heil und froh in seiner Arbeit ..." — Mitte Januar schreibt er an Liszt, daß sein Werk das Einzige sei, was ihn „noch mit Neigung am Leben festhält. Wenn ich an Opfer denke, und Opfer heische, so ist dies nur für dieses Werk". — Die Not ist oft zu Gast bei ihm. Er erfährt, „wie auch mich die Not des Goldes umspann". (An F. L. 1854.). — Als echter Deutscher will er lieber „untergehen, als meinem Bekenntnis entsagen!". (An Aug. Rockel, 1854). KOLBENRICHTER Automobilwerkstätten Modernste und größte Zylinder- und Kurbelwellenschleiferei des Ostens Danzig, Weidengasse 35-38 ♦ Tel. 27687 Spezialität: Nelson-Kolben 25 Die Komposition der Walküre bereitet ihm innere Qual; der „Gegenstand greift ihn schmerzlich an. . . ich bin wiederholt schon ganz krank darüber geworden". Er ist „immer wie übernächtigt, schwer, träge und wüst" und hofft auf „den jungen Siegfried". . (An Minna, London 1855). Die Walküre ist nach seinen eigenen Worten das „tragischste" seiner Werke, er liest im Dante: „noch stecke ich tief in der Hölle, ihre Grausen begleiten mich in der Ausführung des zweiten Aktes der Walküre". (An Mathilde Wesendonk, 1855). — Mit „Schmerzen ist nun auch die Walküre fertig geworden ... sie hat mich furchtbar angegriffen. ." (An Dr. A. Pusinelli, 1856). Wir sehen: Echte Kunst ist mit Herzblut geschaffen! Um die große Wotansszene im 2. Akt der Walküre ganz zu erfassen, müßte man den Brief an Liszt vom 3. Oktober 1855 lesen; er enthält des Meisters tiefste „Wotans-Gedanken". Es liegt Wagner daran, „die Kopie bald fertig zu wissen, vielleicht aus dem Grunde, der die Insekten bestimmt, vor ihrem Sterben ihre Eier in Sicherheit zu bringen. . — Leben heißt opfern — die „Walküre" kann es uns im doppelten Sinne lehren! — 2. SIEGFRIED. Aus dem schattenumdüsterten Arbeiten an der Walküre geht auch für den Meister mit der Komposition des „Siegfried" ein sonniger Maientag auf. Der Stoff hatte ihn schon früh beschäftigt (Ges. Sehr. IV; Mitt. a. m. Fr.) in seinem „ewig Reinmenschlichen44 setzt er ihn JESUS gleich, — in Ahnung des künftigen Parsifal — dem „reinen Toren", (a. a. O. IV. 329.) Ja, in Erkenntnis des „großen Zusammenhanges aller echten Mythen" vergleicht er das Verhältnis Siegfrieds mit Brünhilde mit dem Tristans zu Isolde. Beide freien das ihnen nach dem Urgesetze bestimmte Weib für einen anderen und finden an dem hieraus entstehenden Mißverhältnisse ihren Untergang. — Warmbad Zoppot geöffnet werktäglich uon 8—12vk Uhr außerdem Montag und Mittwodl uon 15li2 — l8 Uhr und Sonnabend uon I5lh—19 Uhr Sonntags geschlossen Vorzügliche Moor* und Hohlensüurebäderf sowie alle Bäderarten, Massagen und Inhalationen, Brunnen- und Milchkuren .J 26 der STADT ZOPPOT HAUPT-GESCHÄFTSSTELLE IM RATHAUS WECHSELSTUBEN AM BAHNHOP und IM KURHAUS Bestmögliche Verzinsung von Spar- u. Giroeinlagen Ausführung aller Geldgeschäfte u. aUmwechslung fremder Geldsorten zu besten Tageskursen Reisekreditbriefe STAHLKAMMER 27 3 oppoter Süalöoper-JSotterie ^auptgetoinn: 5000.- G Weitere ©spinne au: 2000 — Q, 1000.— Q 500.— O, 200.— Q ufto. 3ieJjung am 7. uni> 8. Qluauft 1931 im Sturaarten. Sofe 51» 1.— O fiiib in bcn befonbetd ('ennt(id) <)cmacf)ten (Befdjäftcn crljältlirf)* Besondere Bestimmungen für die Verlosung. 1. Es werden 60000 Lose ausgegeben. 2. An Gewinnen sind vorgesehen: 1 Hauptgewinn................ 5000,— G 1 „ ................................2000,- G 1 „ ....................1000,- G 3 Hauptgewinne zu je 500,— G =..............1500,— G 1 Prämie......................................500,— G 8 Gewinne . . . zu je 200,— G =..............1600,— G 15 Gewinne ... zu je 100,— G =..............1500,— G 30 Gewinne ... zu je 50,— G =..............1500,— G 100 Gewinne . . . zu je 20,— G -..............2000,— G 200 Gewinne . . . zu je 10,— G =..............2000,— G 300 Gewinne ... zu je 6,— G =..............1800,— G 650 Gewinne ... zu je 4,— G =..............2600,— G 1309 Gewinne und 1 Prämie im Gesamtwerte von . 23000,— G Die Prämie von 500,— G fällt auf den zuletzt gezogenen Gewinn. 3. Die Gewinne werden alsbald nach der Ziehung durch eine amtliche Ziehungsliste bekanntgegeben. Letztere ist in unserer Badekasse, Nordstrafce käuflich erhältlich. 4. Die Gewinne werden gegen Rückgabe der Gewinnlose durch die Stadthauptkasse Zoppot im Rathause während der Kassenstunden von 8—12.30 Uhr an die Überbringer der Lose ohne jeden Abzug in bar ausgezahlt. 5. 'Gewinne, die bis zum 31. Oktober 1931 einschließlich nicht abgefordert worden sind, verfallen zu Gunsten des Zweckes dieser Lotterie. Aus Gewinnlosen, die innerhalb dieser Frist nicht vorgelegt sind, können keinerlei Ansprüche mehr geltend gemacht werden. Wie das sog. „äußere" Leben auch an der Entstehung des „Siegfried" beteiligt war, dafür zwei Beispiele: Ein Blechschmied regte den Meister zu Siegfrieds Wutausbruch gegen den Stümperschmied Mime an und so entstand „das kindisch zankende Polterthema in G-Moll" (Mein Leben II; 636.). — Die Stimme des Waldvogels dankt der Meister „den Spaziergängen. . . nach dem stillen Sihltal (b. Zürich), wo er die „Weisen der. . Waldvögel mit nach Hause brachte. (a. a. O. 653). Meist ist es jedoch die „innere" Welt, die seines Schaffens Wurzeln nährt. In den Pinienwäldern von Spezzia erlebt er in einer „Art von somnambulem Zustand. . die Empfindung, in ein starkfließendes Wasser zu versinken. . und schafft das auf dem Es-Dur Dreiklang aufgebaute Orchestervorspiel zum „Rheingold". — (M. L. II, 591-2). — In einem Briefe an Rockel (1851) nennt der Meister seinen Siegfried „denselben jungen Burschen, der im Märchen vorkommt, und auszieht, um das „Fürchten44 zu lernen, — was ihm nie gelingen will, weil er mit kräftigen Natursinnen immer Alles so sieht, wie es ist. ." 1851 schreibt er an Liszt, daß die Siegfried-Dichtung ihn „wahrhaft froh" macht, daß die Musik wie „wild aus dem Boden wächst" (an Uhlig, 1852), ja — daß ihm erst beim Komponieren das eigentliche Wesen der Dichtung aufgeht: „überall entdecken sich mir Geheimnisse. . " (an F. L. 1856). — Blättern wir die Schriften und Briefe des Meisters durch, dann entdecken wir bald, daß auch die Siegfried-Komposition wechselnden Stimmungen und Unterbrechungen unterlag. . eben ein Stück persönlichsten Lebens war! — „Nun bin ich auch einmal wieder mit meiner Gesundheit so herunter, daß ich . . . buchstäblich nicht einen Takt mehr niederschreiben konnte. ." — (An F. L. 1857). — Wohl jeder schaffende Künstler kennt diese „toten Punkte" — stehen doch „Geist" und „Welt" im ewigen Kampfe! Verzweifelt will der Meister „das obstinate Unternehmen der Vollendung" der Nibelungen aufgeben. Ich habe meinen das beste Bier Danziger Aktien •'Bierbrauerei 29 jungen Siegfried noch in die schöne Waldeinsamkeit geleitet; dort hab' ich ihn unter der Linde gelassen und mit herzlichen Tränen von ihm Abschied genommen ... ich habe mir den Siegfried vom Herzen gerissen*'. — Wir verstehen nun, was wir eingangs über „echte Kunst" sagten! — Aber wie Palestrina von den Geistern zu neuem Schaffen getrieben wird, so geht auch Wagner wieder an sein Werk. 1864 schreibt er an Frau Marie v. Muchanoff „Die Nibelungen sind wieder begonnen, ganz nach meinem Plan. .!" Und ein Jahr vor 1870, als das deutsche Volk zu einer Einheit geschmiedet wurde, wird die Siegfried-Arbeit nach 11 jähriger Unterbrechung am Geburtstage des Sohnes, der uns Danzigern kein Unbekannter ist, vollendet. . ." (22. Aug. 69). „Sie ist erweckt, die lang in Schlaf verloren, Erfüllt ist nun des Gottes stummer Rat. . schreibt der Meister in einem köstlichen Gedicht. Am 4. Juni 1870 teilt er Friedr. Nietzsche den Beginn der Komposition der „Götterdämmerung" mit. — 3. GÖTTERDÄMMERUNG. Ursprünglich hatte Wagner den Abschluß der gewaltigen Trilogie „Siegfrieds Tod" genannt, der neue Name entstand zuletzt, da Wotan ja der eigentliche Held des RINGES ist. Von ihm geht die Haupthandlung aus, und in ihm endet alles Geschehen. Wagner schreibt an F. L. (1853): „Ja — im Brande Wahlhalls möchte ich untergehen!. — Beachte wohl meine Dichtung — sie enthält der Welt Anfang und Untergang! — Der „junge Siegfried" und „Siegfrieds Tod" sind also umgearbeitet und „in das richtige Verhältnis zum Ganzen getreten" ... es entstehen die Bezeichnungen „Siegfried" und „Götterdämmerung". — (Mein Leben II, 580). Einheimische und Kurgäste kaufen ihr Gebäck gut und preiswert bei GREY- Zoppot • Seeftraße Nr. 17 führend in Konditorei u. Feinbäckerei Bekannt für eine gute Tasse Kaffee 30 Zum tieferem Verständnis der Nibelungentragödie sei nochmals auf den Brief des Meisters an Franz Liszt (Albisbrunn, 20. Nov. 1851.) hingewiesen (Verlag Breitkopf u. Härtel, Lpz.). Der Raum gestattet nicht, ihn in extenso anzuführen; lieber Leser — bitte! bitte! — tu es um der Sache willen selber!. — Die Arbeit an der „Götterdämmerung" ging im wesentlichen rasch von statten. Wie oft schreibt er an Minna, daß nur „seine Arbeit ihm Kraft und Lebensfreude" gibt (1858), welch unbeschreibliches Glück, von einem „königlichen Freunde" gefördert zu werden. Wie begeistert er sein Werk vorliest, davon eine Probe aus einem Briefe Liszts an die Fürstin Wittgenstein: „ . . sa maniere de lire tient de la fascination et qu'on ne peut pas s'en faire idee . . ." (1853). — Von derTristan-Musik beeinflußt ist die„Götterdämmerung" musikalisch zweifellos der Höhenweg der stolz getürmten Bergmassen; die Nornenszene, Siegfrieds Rheinfahrt, Hagens Wacht, die Mannenchöre, Siegfrieds Erzählung und der ins Reich des Ewigen verströmende Schlußsatz sind Gipfel aller Musik schlechthin. — IX21L /Widdern t Den besten Marken ebenbürtig. Köstlich duftend und wunderbar erfrischend. FL l—, 1,75, 2.75, 4.25 G. Erhältlich in allen einschlägigen Geschäften. 31 Zusammenfassend sei mitgeteilt, was der Meister bei der Obersendung des III. Aktes an König Ludwig II. schrieb: „Vollendet das ewige Werk! Wie im Traum ich es trug, Wie mein Wille es wies". — Was bange Jahre barg Des reifenden Mannes Brust, Aus winternächtigen Wehen Der Lieb' und des Lenzes Gewalten Trieben dem Tag es zu: Dort steh' es stolz zur Schau, Als kühner Königsbau Prang es prächtig der Welt . . . (Sfimtl. Sehr. Bd. XII.) Wagner wollte mit dem „RING" der deutschen Nation und der „Welt" ein Geschenk machen; der Ring ist nicht nur der Kampf der „Liebe" mit der „Macht", er ist auch die Tragödie des deutschenVolkes nachdem Gewittersturm des Weltkrieges. Hagens Speer traf Siegfried ... In Trümmern liegt Notung . . . die Grenzen bluten . . . Brünhilde, der deutsche Geist jedoch lebt. . . Siegfried zu erwecken, wie er einst die flammenumloderte Braut... Möge die Zoppoter Waldoper den Bau deutscher Zukunft fördern helfen! Quod DEUS bene vertat! ^ac ,Q/ TEL 21T14 UND 21T15 herbert JICHNELLE 100 BUCHDßUCKEßEI PAPIER- GEOSSHANDLUNG % vornehme 3 privat-drucksachen £3 VI SITES - FAHILIEN« . ANZEIGEN -BRIEF- ^ ^^^^^KASSETTEN M. DRÜCK 2 PREISWERTE PAPIERWAREN < _FÜR DEN HAUSHALT 32 f Oberall Gas! Kohle im Haushalt Ist vorsintflutlich! Darum fort mit dem schmutzigen Kohlenherd Gas, ist sauber bequem und billig, darum koche brate backe bade und h e i z e mit Gas! Rat und Auskunft unentgeltlich! STÄDT. GASWERK ZOPPOT Glettkauerstraße Nr. 23 Fernsprecher: 52025 und 52026 33 H&tttöine Stehplatz. Stehplatz Stehplatz 3.-Q Stehplatz 3.-Q BODENSTEIN & MIEHLKE / DANZIG / HUNDEGASSE NR. 48-49 BUCH-, STEIN- UND OFFSETDRUCKEREI / L1THOGR. ANSTALT 36 nsfptjsrb2> I i, Färberei Kraatz « färbt | | wäScht | alles erstklassig und schnell 14 eigene Filialen in allen Stadtteilen und Vororten ZOPPOT ♦ Seestraße .Nr. 42 MiHlm? reinigt |